Dr. Paul Kral

Ich will digital unterstütztes Lernen an Schulen etablieren


Das vernetzte Klassenzimmer der Zukunft ist eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Schulunterrichts. Der Einsatz von Tablets im Unterricht ermöglicht etwas, das ein normales Schulbuch nicht kann, nämlich die kooperative Verbindung von Sprache, Text, Bildern, Video und kreativem Schaffen. Die Zweidimensionalität des Papiers kann auf diese Weise durch eine neue, digitale Dimension erweitert werden.

Im vernetzten Klassenzimmer arbeitet man nicht alleine, sondern gemeinsam an Projekten. „Das ist der Weg in die Zukunft“, meint auch Dr. Paul Kral, Geschäftsführer der Bildungsagentur know.learn&lead, der das Projekt gemeinsam mit T-Mobile entwickelt hat. Im Zeitalter der Technologie sollte es keine Ausnahme mehr sein, dass so etwas wie Tablet-Klassen existieren, in denen den Kindern der Erwerb von Wissen mithilfe digitaler Medien praktisch nähergebracht wird.

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Der Erfolg der ersten Projektphase, die von November 2013 bis Mai 2014 lief, erlaubte eine Ausweitung der zweiten Phase von 16 auf 18 Klassen im Schuljahr 2014/2015; eine dritte Runde ist bereits in Planung. Die teilnehmenden Volksschulen, Mittelschulen und Sonderschulen erhalten für die Dauer des Projekts einen Tablet-Koffer, der mit Tablets inklusive 100 Applikationen, einem Internet-Hotspot sowie Lade- und Reinigungsequipment ausgestattet ist. Für einen reibungslosen Ablauf wird zusätzlich bei jeder neu hinzustoßenden Schule ein Pädagogen-Training vorangesetzt, bei dem den Lehrern der Umgang und die Bedienung der Geräte gezeigt werden.

Wie-Wir-Wollen.at: Wie kam es zu der Idee des Tablet-unterstützten Lernens an Schulen?
Dr. Paul Kral: Ich bin von Anfang an auf der digitalen Welle mitgeschwommen und habe auch in Wien zu jenen gehört, die die ersten PCs in der Schule hatten. Dieses Interesse an digitalen Medien habe ich bis heute beibehalten. In Wirklichkeit steckt da wohl der Gedanke des Vernetzens dahinter – die Menschen zusammenzubringen, wobei ein Geben und ein Nehmen das Ziel sein sollte.
Es gibt aber noch ein paar andere Überzeugungen. Zuerst mal muss ich sagen, dass es nichts Schöneres gibt, als Pädagoge zu erleben, wenn junge Menschen, egal welcher Altersstufe, etwas lernen und dieses neue Wissen auch zeigen können. Und genau das gelingt mit so einem Tablet, weil hier die Individualität maßgeblich ist – das Lerntempo, das Verstehen. Es gibt darüber hinaus auch keine Beschämungskultur mehr, weil es nicht alle sehen, wenn man etwas nicht gleich beim ersten Versuch zustande bringt. Stellen Sie sich mal vor, der Lehrer fragt die Schüler: „Wie viel ist 7 mal 6?“ und ein Schüler antwortet „23“. Das ist dann für ihn natürlich nicht lustig, weil ihn alle auslachen werden, und beim nächsten Mal traut er sich vielleicht nicht mehr, mitzuarbeiten. Gibt er das falsche Ergebnis aber am Tablet ein, bekommt er eine Falschmeldung und weiß, dass er seine Rechnung noch einmal korrigieren muss, und kommt so ohne Bloßstellung zu seinem Ergebnis. Das ist schon ein Qualitätssprung.
Das Zweite ist, dass es laut meiner subjektiven Beobachtung, die aber durch viele Studien gestützt ist, eine riesengroße Kluft gibt zwischen dem, was junge Menschen mit digitalen Devices zu Hause erleben, und dem, was sie in der Schule damit tun, wo diese Geräte nach wie vor meistens ausgeblendet werden – sei es das alte Handy, ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop, ein PC oder sonst etwas. Diese Kluft ist einfach aufzufüllen und das ist einer der wesentlichsten Gründe gewesen, warum wir das Projekt gemacht haben.
Der dritte Punkt, der für mich sehr wesentlich war, ist, dass ich ein Wegbereiter für digitale Medien in der Schule sein möchte. Die Idee war, die ersten Gehversuche in diese Richtung zu unternehmen, um Freude, Lust und Interesse im Unterricht zu erzeugen, damit nachher auch die politische Ebene reagieren muss. Sonst verlieren wir den Anschluss an die digitale Zeit und damit eine ganze Jugendgeneration. Das zu verhindern, darum geht es mir.

Ich kann mir vorstellen, dass es anfangs Zögern seitens der Lehrer, Schüler oder Eltern gegeben hat. Gab es Schwierigkeiten bei der Implementierung des Projekts in den Schulen?
Schwierigkeiten bei den jungen Menschen hatten wir überhaupt noch nie. Ein einziges Mal habe ich bei einer Projekt-Vorstellung erlebt, dass ein Kind sagte: „Ich möchte mir lieber ein Buch nehmen und in der Leseecke lesen.“ Das hat es gegeben, und warum auch nicht? Das ist auch richtig so. Es muss ja nicht jeder zur gleichen Zeit dasselbe machen. Wir wollen ja mit dem Projekt das sogenannte „Flipped Klassenzimmer“ fördern, das bedeutet: Machen wir es nicht so, wie wir es in der Vergangenheit gemacht haben. Normalerweise erklären die Pädagogen und die Schüler hören zu. Im Flipped Klassenzimmer funktioniert es umgekehrt: Die Schüler recherchieren und probieren auf eigene Faust, während die Apps nur „Lernhelfer“ sind. Die Pädagogen sind dazu da, Fragen zu beantworten und Sicherheit im Wissenserwerb zu geben. Dadurch, dass die Pädagogen hier nur mehr die Rolle des Förderers und Coaches übernehmen, können im digitalen Unterricht viel leichter die Interessenslagen, aber auch die Unklarheiten der Schüler aufgenommen werden.
Mit Eltern hatten wir bisher auch keine Schwierigkeiten, denn das Konzept ist so aufgebaut, dass die Eltern vom ersten Tag an eingebunden sind. Die Eltern wissen davon, sie sind in die Klasse eingeladen und machen auch teilweise selbst mit. Das ist speziell in den Volksschulen der Fall. Im Bereich der Mittelschule ist das Interesse der Eltern, selbst dabei zu sein, nicht mehr so groß.
Bei den Pädagogen ist das Ganze allerdings keine gemähte Wiese. Die Bereitschaft ist zwar da, aber sie ist nicht überschäumend oder überstürzend – es ist eher ein sehr vorsichtiges Herantasten. Wir erleben in fast allen Schulen den gleichen Effekt: Anfangs ist immer nur eine sehr überschaubare Gruppe an Pädagogen von der Idee überzeugt, das sind im Durschnitt vielleicht nur etwa drei oder vier. Am Ende der Schulungen sind es dann schon drei Viertel des gesamten Lehrer-Kollegiums, die danach gieren, auch mit einem Tablet in die Klassen zu gehen. Sie halten es dann kaum aus, zu warten.

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Warum glauben Sie, ist das so?
Hier spielt zum einen der Druck der Kinder eine Rolle, die dem Projekt gegenüber sehr positiv gestimmt sind. Zum anderen ist da sicherlich auch der Konkurrenzgedanke der Pädagogen untereinander und dass einige Pädagogen unter Umständen einen Fortschritt gegenüber anderen haben. Es ist eine schwierige Situation, das muss ich ganz ehrlich sagen. Wir sind noch lange nicht an dem Punkt angekommen, an dem alle Pädagogen das Projekt für richtig und wichtig halten. Aber dort kommen wir hin.

Nach den Schulungen ist die Einstellung der Beteiligten also anders?
Eindeutig! Eindeutig anders.

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Inwiefern verändert der Einsatz der Tablets den Unterricht?
Die subjektive Erfahrung, die wir gemacht haben, zeigt, dass Disziplinschwierigkeiten damit gegen null streben. Es gibt Studien, die belegen, dass die Verhaltensauffälligkeit bei normal Auffälligen – damit sind Schüler gemeint, die leicht tratschen oder auf andere Art leicht stören – um etwa 25 bis 30 Prozent zurückgeht. Bei jenen, die im normalen Unterricht extrem auffallen, sogar bis zu 50 und sogar 60 Prozent. Das ist natürlich ein schöner Gewinn.
Dabei spielt aber auch die Art der Apps eine Rolle. Zum Beispiel nutzen die Kinder eine unserer Apps, bei der sie Länder auf einer Weltkarte zuordnen müssen, besonders gerne. Da kann man auch einen ganz interessanten Effekt erleben: Egal, woher das Kind kommt, es wird immer zuerst nach seinem Herkunftsland suchen. Das Kind kann das Land also zuordnen und hat sofort ein Erfolgserlebnis. Bei vielen dieser Apps läuft auch die Zeit mit, was ganz automatisch den Wettbewerb untereinander ankurbelt. „Ich hab so und so lange gebraucht. Und wie lange hast du gebraucht?“ Als Pädagoge muss ich die Kinder gar nicht mehr dazu animieren, in den Wettbewerb zu kommen, sie kommen von sich aus dahin. Und, wie gesagt, kann ich mittlerweile seit über zwei Jahren nachweisen, dass Verhaltensauffälligkeiten durch diese Art des Unterrichts zurückgehen. Speziell diejenigen, die dazu neigen, auffälliges Verhalten aufzuzeigen, sind so konzentriert auf das Tablet, dass ihnen keine Dummheiten einfallen. Die Motivationslage ist eindeutig besser und das ist natürlich etwas, das für die Eltern beruhigend ist.
Mit den Eltern kommt dann aber folgende Schwierigkeit hinzu: Wenn die Eltern ihr Kind zu Hause fragen, was sie gemacht haben, dann sagen sie „wir haben gespielt“. Auch wenn sie Lernaufgaben oder etwas dergleichen gemacht haben, das Tablet ist für sie ident mit spielen. Dieses kommerzielle Verkaufsargument bekommen wir nicht weg, im Sprachgebrauch heißt es einfach spielen.

Warum, denken Sie, spricht diese neue Form des Unterrichts die Kinder so an?
Viele Kinder haben diese Geräte zu Hause, das heißt, dass die Ausgangsbasis zur Bedienung schon mal da ist. Das bedeutet für die Kinder aber auch, dass ihr Lebensraum und ihr Freizeitverhalten in die Schule hineingetragen werden, woraus eine andere Lernbereitschaft resultiert. Schule ist somit kein Fremdkörper mehr, sondern etwas Gewohntes. In den Anfängen des Projekts sind wir sogar von einer „bring your own device“-Idee ausgegangen. Das ist aber an den Pädagogen gescheitert, die oft ein striktes Handyverbot wollten. Das ist in meinen Augen das Dümmste, das man machen kann. Wenn ein Pädagoge seine Klasse in Griff hat und mit den Schülern gut arbeiten kann, dann hat er sowohl mit als auch ohne Handys Ruhe im Klassenzimmer. Wenn man die Lufthoheit über die Klasse verliert, hilft weder ein Verbot noch die beste Technik. Wie der Erziehungsprozess erfolgt, hängt natürlich vom Pädagogen ab, und ich komme mir fast schon kindisch vor, wenn ich das jedem andauernd sagen muss.

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Es ist wahrscheinlich gar nicht schlecht, wenn die Kinder das Lernen mit Spielen gleichsetzen. Sie wissen dadurch gar nicht, wie viel sie in Wirklichkeit dazulernen. Zu diesem spielerischen Lernen will man als Pädagoge doch eigentlich hin.
Genau das ist es. Sie bekommen es einfach nicht mit. Wir bieten den Schulen zur Zeit etwa 100 Apps an. Sie machen natürlich nicht alle Apps durch, ich möchte auch niemanden in eine Richtung zwingen, sondern sie sollen selbst entscheiden. Daher sind die Apps auch nach Mathematik, Englisch, Deutsch, Geografie, Physik und so weiter gegliedert. Die Apps sind so aufbereitet, dass sie Freude und Spaß machen. Da spielt Kreativität eine große Rolle. Die Kids können beispielsweise kurze Filme drehen und diese dann in ihre Kurzgeschichten einbauen, alles natürlich am Tablet.
Ich glaube auch, dass wir die Routinearbeiten, denen wir heutzutage nachgehen, in ein paar Jahren auch wieder durch Maschinen, Computer und neue Technologien ersetzen werden. Die Kreativität ist wahrscheinlich das einzige, das uns das Überleben sichert, und wenn wir diesen Schritt nicht selbst gehen, werden wir nicht erfolgreich sein. Man muss sich selbst seinen Arbeitsplatz schaffen.

In welchen Schulformen kommen die Tablets zum Einsatz?
Das Projekt ist in erster Linie auf die Pflichtschule ausgerichtet. Vor allem in Schulen mit hohem Migrationsanteil bietet das Tablet große Vorteile. Kinder, die nicht so gut Deutsch sprechen, können sich beispielsweise ihre geschriebenen Texte vom Tablet in diversen Sprachen vorsprechen lassen und auf diese Weise Deutsch lernen. Das gilt auch für Sonderschulen. Dort ist der Einsatz des Tablets fast noch wertvoller als in jeder anderen Schulart, weil die Kinder so unterschiedlich sind, von ganz Schwachen bis hin zu Teilbegabten. Da gibt es Schätze und Potenziale, die zu heben sind, und genau das kann mithilfe des Tablets geschehen. Vergessen Sie das Technische, das ist uninteressant; es geht hier wirklich um den richtigen pädagogischen Einsatz an den Schulen. Es geht darum, Wissen zu generieren, es geht darum, den Kindern ein Können zu ermöglichen, und es geht auch darum, Verantwortung für das, was man tut, zu übernehmen. Ich sage das jetzt ganz bewusst, weil die Kinder auch lernen, dass alles, was einmal im Internet ist, auch dort bleibt. Dieser Erziehungsprozess ist pädagogisch sehr wichtig. Zu Hause lernen sie so etwas nicht, weil die Eltern sich damit nicht auskennen. Und genau da sehe ich meine Aufgabe.

Woran merken Sie, dass die Tablet-Klassen ein Erfolg sind? Gibt es quantifizierbare Ergebnisse?
Quantifizierbare Ergebnisse sind bei diesem Projektumfang einfach nicht drinnen. Ich habe generelle Einschätzungen, denn nach jedem Durchlauf bekomme ich Rückmeldungen, Feedback und Verbesserungsvorschläge. Welche Apps sind gut gewesen, wo kann man sie besser einsetzen? Dabei habe ich wirklich sehr viel gelernt. Ich habe aber auch noch nie erlebt, dass mir jemand das Tablet zurückgegeben und „nein danke“ gesagt hat.

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Darf sich ein Kind theoretisch weigern, ein Tablet zu nutzen, wenn es überhaupt nicht damit zurechtkommt?
Selbstverständlich. Das ist überhaupt kein Problem und das ist auch im Klassenverband möglich. Dann macht es eben etwas anderes. Das unheimlich Schöne ist, dass die ganze Klasse mithilfe der Apps miteinander spricht. Normalerweise spricht ein Lehrer und die Kinder hören zu, und so hat einfach jeder eine Übungsmöglichkeit. Diese Vielfältigkeit ist wahrscheinlich ein überzeugendes Argument für den Einsatz.

Wie sieht so ein Schulalltag mit Tablets aus? In welchem Ausmaß kommt es zum Einsatz?
Wenn das Projekt läuft, bekommt jede Schule einen Tablet-Koffer. Dieser Koffer wandert dann von Klasse zu Klasse. Warum? Weil sich die Pädagogen untereinander ausmachen, wann und wofür sie das Tablet nutzen wollen. Eine vorgeschriebene Tablet-Stunde gibt es nicht. Das Tablet hat eine unterstützende Funktion. Wenn später alle Kinder ein Tablet im Unterricht hätten, wäre das sicher eine Idealsituation. Es ist aber trotzdem wichtig, zu verstehen, dass die normale Tafel nicht durch ein Tablet ersetzt werden kann. Jene, die das glauben, irren sich. Da muss man sich als Pädagoge überlegen, wie damit umzugehen ist. Wie kann ich auf individuelle Begabungen und Talente eingehen? Wie kann der Schüler seine Kreativität einbringen? Wie schaffe ich es, dass er eigenständig arbeitet? Es gibt viele Dinge, die man sich sehr gut überlegen muss. Dadurch verändert sich der Unterricht.
Der Einsatz des Tablets liegt aber immer im Ermessen der Pädagogen. Leider befassen sich noch immer nicht genug Lehrer damit, aber dafür ist auch die politische Ebene verantwortlich. Vom Bildungsministerium gibt es nach wie vor kein Signal in diese Richtung.

Wie sieht es mit technischen Problemen und Verschleiß aus?
Also wir sind jetzt im zweiten Jahr und bis jetzt haben ungefähr 1.600 Kinder und 170 Pädagogen teilgenommen. Von den vielen Geräten sind bis heute zwei kaputt geworden. Für eines war ich selbst verantwortlich, weil es mir runtergefallen ist. Das zweite Gerät hatte eine kleine Delle und sonst ist nichts passiert. Vor der Weitergabe an eine neue Schule werden die von den Kids erstellten Inhalte der Tablets natürlich gelöscht.

Wie wählen Sie die Schulen aus, die dann bei dem Projekt mitmachen?
Das ist ganz einfach. Wer sich zuerst meldet, kommt dran. Letztes Jahr waren es 16 Klassen, heuer werden es 18 sein und für nächstes Jahr sind wir schon zu 35% ausgelastet. Nachdem das Projekt erfolgreich ist und es wirklich angenommen wird, spricht sich das herum.

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Haben Sie ein ultimatives Ziel vor Augen? Was wünschen Sie sich für das Projekt in der Zukunft?
Was uns wirklich gelungen ist, ist aus einem Stiefmütterchen-Dasein an die Oberfläche zu kommen. Anfangs sind zwar Worte wie „kleiner Spinner“ oder „Digital Immigrant“ gefallen, aber das hat sich nicht gehalten. Jetzt werde ich von pädagogischen Hochschulen eingeladen, wir sind bei Tagungen und Kongressen, wo wir unser Projekt vorstellen, wir haben Kontakte zum Bildungsministerium, weil es auf uns aufmerksam geworden ist, und so weiter. Wir hätten gerne, dass wir nur mehr die Einstiegsphase abdecken müssen und das Ministerium in Folge darauf weiter aufbaut. Ich möchte den Druck und das Bewusstsein dafür erzeugen, dass das der Weg in die Zukunft ist, an dem man nicht vorbeisehen sollte. Da sind wir eigentlich ganz gut dabei. Connected Kids hat erreicht, dass wir jetzt auf Augenhöhe mit den Ministerien und der Stadt Wien stehen, zumindest bezüglich der Kompetenzen.
Es geht mittlerweile auch nicht mehr darum, ob das Ganze notwendig ist oder nicht. Es geht darum, zu fragen, wie man die Technologie am besten einsetzt und was man damit alles machen kann. Natürlich macht es keinen Sinn und ist auch nicht gut, wenn die Kids zwei bis drei Stunden zu Hause vor dem Fernseher, Laptop oder Tablet sitzen. Aber sich gar nicht damit zu befassen, wäre auch komplett verkehrt. Man muss die Balance finden.
Man muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es keine Neuerung gibt, die keine Feinde mit sich bringt. Zweifler wird es immer geben und das ist auch gut so. Damit muss man sich auseinandersetzen. Wir haben nicht nur die Aufgabe, Wissen weiterzugeben, wir haben auch die Verantwortung, damit vernünftig umzugehen. Man muss um die Konsequenzen Bescheid wissen und das ist meiner Meinung nach eine der Hauptaufgaben von Pädagogen. Diese Aufgaben nicht wahrzunehmen, ist fast schon grob fahrlässig. Natürlich wünsche ich mir auch mehr Druck gegenüber der politischen Ebene, um dort endlich einmal ein Umdenken zu erreichen, damit das nötige Geld investiert wird. Deswegen lege ich einen so großen Wert darauf, dass Eltern in das Projekt eingebunden sind. Aber die Eltern sind bisweilen leider sehr stumm, anstatt den nötigen Druck zu erzeugen.

Danke für das Interview!

Text und Interview: Philipp Kienzl, Fotos: Kurt Prinz



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