Mentoring für MigrantInnen

Wir wollen MigrantInnen coachen und gezielt unterstützen


In einer Großstadt wie Wien ist es selbstverständlich, dass man im Berufsleben mit Menschen anderer Herkunft und Sprache zusammenarbeitet. Der kulturellr Austausch gehört einfach dazu und ist in jedem Fall eine Bereicherung. Uns ist aber oft nicht bewusst, wie schwer es Menschen haben, die neu in Österreich angekommen sind.

Laut der Statistik Austria geben mehr als ein Viertel aller Personen mit Migrationshintergrund (konkret 28 Prozent) an, für ihren Job überqualifiziert zu sein. Doch woran liegt es, dass so eine beachtliche Zahl von MigranntInnen eine ihrer Kompetenzen nicht entsprechenden Tätigkeit nachgeht?

Aleksandra Klepić vom Team Kommunikation des Österreichischen Integrationsfonds klärt auf: Was MigrantInnen häufig fehle, seien Netzwerke, sowie informelle Kenntnisse über den Arbeitsmarkt, außerdem sei es nicht immer einfach, die jeweiligen Gepflogenheiten und kulturellen Codes am österreichischen Arbeitsmarkt zu deuten.

Deshalb wurde „Mentoring für MigranntInnen“ ins Leben gerufen, dessen Konzept genau darauf aufbaut. Das Programm ist eine Initiative der Wirtschaftskammer Österreich, des Österreichischen Integrationsfonds und des Arbeitsmarktservice, startete 2008 in mehreren Bundesländern Österreichs und wird seit 2012 bundesweit durchgeführt.

Auftakt "Mentoring für MigrantInnen" in Salzburg

TeilnehmerInnen eines „Mentoring für MigrantInnen“-Lehrganges. Quelle: Flickr

Allgemein gesagt, bietet es qualifizierten Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, besser auf unsere Arbeitswelt vorbereitet zu werden und dabei gleichzeitig den inländischen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Vor allem die Arbeit im Team tritt hier besonders in den Vordergrund: Über einen Zeitraum von sechs Monaten helfen zu  MentorInnen berufenen MigranntInnen (sogenannten „Mentees“) unter anderem beim Bewerbungsschreiben, unterstützen sich beim Aufbau von beruflichen Netzwerken und informieren sich gegenseitig über die richtigen Anlaufstellen für die Anerkennung von ausländischen Diplomen. Bei den MentorInnen handle es sich um erfahrene Personen aus der österreichischen Wirtschaft: „Wir haben uns vorgenommen wertvolle Hilfestellungen, Ratschläge und Kontakte zu vermitteln“, so Aleksandra Klepić.

Abwechslung darf natürlich auch nicht fehlen: Neben der Partnerschaft von RatgeberInnen und TeilnehmerInnen bietet das Programm auch einige Workshops, wie etwa zum Thema interkulturelle Kommunikation oder Bewerbungstechnik, um den Einstieg in das österreichische Arbeitsleben erleichtern. Denn auch wenn die „Mentees“ gute Qualifikationen mitbringen, unterscheiden sich die Ansprüche des österreichischen Arbeitsmarktes oft stark von jenen in den jeweiligen Herkunftsländern.

Was für unsere Ohren selbstverständlich klingt, etwa welche Anrede am Telefon professionell und höflich klingt, ist für viele Personen mit Migrationshintergrund unklar. Da können einfache Tipps von Profis Abhilfe schaffen. Somit verhelfen die TrainerInnen auch zu mehr Selbstbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit, wodurch auch das soziale Umfeld der „Mentees“ wächst. Denn nicht nur zwischen MentorInnen und TeilnehmerInnen entstehen Beziehungen, auch untereinander wird schnell kultureller Austausch und es werden wichtige Kontakte geknüpft.

Davon profitieren natürlich nicht nur die Beteiligten mit Migrationshintergrund, bei „Mentoring für MigrantInnen“ ergeben sich auch viele Vorteile für österreichische Konzerne. Denn die internationale Erfahrung der „Mentees“ und die kulturelle Diversität ist eine Bereicherung für viele Unternehmen. „Die Internationalisierung der heimischen Wirtschaft wird durch die Erschließung des Potenzials an qualifizierten Arbeitskräften gefördert, außerdem werden Unternehmungsgründungen durch qualifizierte Personen mit Migrationshintergrund unterstützt“, bestätigt Klepić.

Vor allem aber die Rolle der Frau und das Thema Gleichberechtigung sind ein wichtiger Aspekt des Projekts. „Ausländische Frauen haben es noch schwerer, eine qualifizierte Beschäftigung in Österreich zu finden“, heißt es dazu beim Integrationsfonds. Beim Mentoringprogramm treffen weibliche Bewerberinnen auf Gleichgesinnte, können sich austauschen und es wird auf ihre individuellen Bedürfnisse eingegangen. Wie motiviert vor allem die weiblichen „Mentees“ sind, zeigt sich an Erfahrungsberichten, erschienen beim ÖIF: Eine spanischen Teilnehmerin, die den Lehrgang im Jahr 2014 mitgemacht hat, erzählt: „Das Mentoring- Programm hat meine Erwartungen übertroffen. Das hat mir viele Möglichkeiten gegeben, die ich allein nur schwer haben könnte. Mein Rat an die zukünftigen Mentees ist, so viel wie möglich alleine zu machen, die Ratschläge der MentorInnen berücksichtigen und nicht aufgeben.“

Und der Erfolg des Projekts kann sich sehen lassen: „Bis 2015 haben rund 1.300 „Mentees“ beim Mentoring-Programm mitgemacht, zwei Drittel davon sind Frauen“, so Klepić.

Vielleicht ist manchen Lesern aufgefallen, dass es sich im Zusammenhang mit dem Projekt vor allem um das österreichische Arbeitsleben handelt. Das liegt daran, dass das Mentoringprogramm im deutschsprachigen Raum einzigartig ist und nicht in Kooperation mit dem Ausland gearbeitet wird. Denn die Zuwanderer sollen auf Begebenheiten, die speziell den inländischen Arbeitsmarkt betreffen, vorbereitet und insofern gefördert werden, dass sie sich entsprechend ihrer Fachkompetenz in Österreich integrieren können.

Das Mentoringprogramm ist ein tolles Beispiel dafür, wie offen in Österreich mit kultureller Vielfalt umgegangen wird, wie lehrreich die Arbeit mit Menschen anderer Herkunft sein kann und dass man aus allen Dingen stets das Beste herausholen sollte. Für mehr Gleichberechtigung und Interkulturalität.

Text: Silvia Kluck, Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der WKO



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