Rugby opens Borders

Wir wollen mit Rugby Grenzen öffnen


Tackling, Dropkick, Scoring: Beim Rugby darf jeder zeigen, was in ihm steckt. Herkunft, Sprache und Körperbau spielen keine Rolle, das ist auch das Konzept von „Rugby opens Borders“. Dieses Projekt ermöglicht jungen Menschen, die erst seit kurzem in Österreich sind, Teil der lokalen Rugby-Community zu werden.

Neben regelmäßigen Trainingseinheiten unterstützen organisierte soziale Aktivitäten und Workshops das Ziel, durch den Teamsport Grenzen zu öffnen, Sprachbarrieren zu überwinden und für Integration zu sorgen. Wie erfolgreich dieses Vorhaben mittlerweile ist und wie gut es bei den Teilnehmern ankommt, zeigt unser Gespräch mit Udo Richson, der die Idee dazu hatte.

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Ein soziales Projekt sei schon länger geplant gewesen, auf Veranlassung des Sportdirektors der „Rugby Union Donau Wien“ habe sich Udo Richson dann aber intensiver mit dieser Idee auseinandergesetzt. Kurzum, er hat zusammen mit ein paar anderen Leuten Flüchtlingsheime und Einrichtungen für Menschen mit Migrationshintergrund besucht und das Projekt vorgestellt.

Nach und nach seien dann immer mehr Leute dazu gestoßen, die Organisation und Management erleichtern. Zu den Mitgliedern zählen laut Richson mittlerweile unter anderem ein Anwalt, zwei Volksschullehrer, ein Mädchen, welches im Asylbereich tätig ist und zwei Jungs aus der Wirtschaftsbranche, die sich um finanzielle Dinge kümmern. Somit war die Idee von „Rugby opens Borders“ oder kurz „ROB“ im Mai 2015 geboren.

Doch was genau ist das Konzept von ROB? Einmal wöchentlich findet ein Training statt, bei dem „den Jungs“ die Rugby Basics beigebracht werden, danach wird beim „Get together“ zusammen gekocht, gegessen und über Probleme geredet.

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„Wir wollen aber vor allem den sozialen Rahmen abstecken. Das bedeutet, wir wollen auch abseits des Trainings etwas unternehmen – ins Theater, auf Konzerte oder zu Rugbyspielen gehen. Bei ROB steht der Gedanke der gegenseitigen Integration im Vordergrund. Nicht nur die Jungs sollen die österreichische Kultur kennenlernen, auch wir profitieren vom kulturellen Austausch. Man lernt hier so viel über die Herkunftsländer der jungen Menschen, zum Beispiel was sie dort essen, welche Musik sie gut finden und noch viel mehr. Wir haben letzten Sommer sogar den Fastenmonat Ramadan mit den Jungs mitgemacht. Sie sollen merken, dass sie nicht an den Rand gedrängt werden, sondern wertvolle Mitglieder der Gesellschaft darstellen“, so Richson. Bemerkenswert ist, dass er nie den Begriff „ Flüchtlinge“ verwendet, sondern stets von seinem Team als „die Jungs“ spricht.

Und warum gerade Rugby? Rugby sei ein Teamsport wie kein anderer, bei dem nicht das Individuum, sondern eben der Teamgeist im Vordergrund stehe. „Die Mannschaftsleistung ist hier so stark gefordert. Egal wie du aussiehst, wirst du deine Position auf dem Feld finden. Dein Team braucht dich 80 Minuten lang, wenn du am Boden bist, brauchst du dein Team, um wieder aufzustehen. Und das gibt dir das Gefühl, gleichwertig zu sein, gebraucht zu werden und gleichzeitig Gas geben zu müssen“, sagt Richson. Respekt, Disziplin und Toleranz, das sei der „Rugby Spirit“.

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Obwohl anfangs befürchtet, hätte es innerhalb der Gruppe noch nie Konflikte gegeben. „Die Jungs lernen bei diesem Sport bestimmte Werte und Verhaltensweisen, wie man respektvoll miteinander umgeht“, so Richson Auch die Sprache sei nie ein Hindernis gewesen, im Gegenteil: Die meisten sprechen Deutsch, einige Englisch und manche können von Arabisch beziehungsweise Farsi auf Deutsch übersetzten. Richson betont: „Sie haben irrsinnig viel Potential, sind motiviert, sehr flexibel und dankbar. Davon kann Österreich in jeder Hinsicht profitieren.“

Und das Projekt kommt nicht nur bei den Teilnehmern gut an, es gäbe auch viel Interesse und Unterstützung von außen. Die „Rugby Union Donau Wien“ stellt die Räumlichkeiten und den Sportplatz zu Verfügung, es gäbe immer wieder Spenden und finanzielle Unterstützung. Allerdings ist hervorzuheben, dass sich „ROB“ größtenteils selbst finanziert. Vor allem bei Veranstaltungen wie einer kürzlich veranstalteten Halloween-Party fließe viel Geld ein, womit der Verein die Ausrüstung, das Essen und weitere Veranstaltungen finanzieren kann.

Wie geht es also weiter? „Wir wollen, dass ROB ein fixer Bestandteil unseres Lebens wird. Wir wollen andere inspirieren, sich zu engagieren und ebenfalls solche Projekte auf die Beine zu stellen. Wir wollen mit anderen Rugby-Vereinen zusammenarbeiten, das Ganze auf ein internationales Level heben, mittlerweile sind schon Gespräche mit einem Rugby- Team aus England im Gange. Wir wollen aber vor allem den Jungs eine möglichst ereignisreiche Zeit bieten, sehen, wie sie all den Kummer und die schrecklichen Erlebnisse für den Moment vergessen können.“

Text: Silvia Kluck, Fotos: Nadine Studeny (Mit freundlicher Genehmigung von Rugby opens Borders)



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