Respekt.net

Wir wollen privates Engagement erleichtern


Crowdfunding ist eine tolle Sache: Jeder kann Geld zur Verfügung stellen und so die Verwirklichung innovativer Ideen, neuer Erfindungen oder spannender Projekte aktiv unterstützen. Soviel zur Theorie. Auf der größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com sind technische Gadgets oder Gebrauchsgegenstände – ob sinnvoll oder nicht sei dahingestellt – am erfolgreichsten. Aber es gibt auch Pendants, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

Dazu zählt die seit 2010 existierende Plattform Respekt.net. Dabei handelt es sich um einen Verein, bestehend aus politisch interessierten Personen, die „gesellschaftspolitisches Engagement erleichtern“ wollen. Die grundlegende Idee ist ähnlich wie bei Kickstarter, mit dem Unterschied, dass die Projekte ausschließlich das Ziel haben, (privates) Engagement der Zivilgesellschaft für gute Zwecke zu unterstützen.

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Foto: Ludwig Schedl

Die letzten Wochen und Monate dürften gezeigt haben, dass schwierige Situationen auch und vor allem den Einsatz von Privatpersonen fordern. Genau das will die Plattform erleichtern: Projekte wie „Flüchtlinge Willkommen“ oder „Asylwohnung.at“ setzen da an, wo es momentan zu scheitern droht: Personen, die in Österreich leben möchten, soll geholfen werden – sei es beim Finden einer Wohnung oder bei der Organisation von Schulklassen für Flüchtlingskinder.

Bislang wurden über 200 Projekte erfolgreich finanziert und das Angebot an aktuellen Kampagnen ist überaus vielfältig. Von der erwähnten Flüchtlingshilfe über Frauenrechte bis hin zu Umweltschutz gibt es unzählige Spendenmöglichkeiten.

Wir haben uns mit Martin Winkler, dem Präsidenten des Vereines, unterhalten und mit ihm über die Entstehung des Projektes, besonders tolle Kampagnen und die Frage, wie jeder von uns einen Beitrag leisten kann, gesprochen.

Wie-Wir-Wollen.at: Es gibt euch mittlerweile seit fünf Jahren. Wie sieht das Fazit nach diesem Zeitraum aus?
Martin Winkler: Unser Ziel mit der Crowdfunding-Plattform www.respekt.net war von Anfang an das Erleichtern von Engagement. Wir glauben, dass wir eine gute Aufbauarbeit dafür geleistet haben. Mit mehr als 230 ausfinanzierten Projekten, rund 12.000 registrierten Usern, mehr als 4.000 Spenderinnen bzw. Spendern und über einer Million Euro an gesammelten Spenden gibt es eine gute Basis für die Zukunft. Wir haben für tausende Menschen Engagement leichter gemacht und wollen Engagement weiterhin leichter machen.

Gibt es Projekte, auf die ihr besonders stolz seid?
Es gibt viele tolle Projekte auf der Plattform. In den letzten Wochen wurden sehr viele Flüchtlingsprojekte finanziert. „SOS Traiskirchen“ von Bettina Reiter war sensationell erfolgreich. Unser Eigenprojekt www.asylwohnung.at war ebenfalls sehr rasch finanziert. Das Projekt „Nachbarinnen“ von Christine Scholten war ein echter Meilenstein, weil hier erstmals mehrere Projekte hintereinander ausfinanziert wurden. Das Projekt „OMA/OPA-Lernhilfe für Kinder mit Migrationshintergrund“ war ebenfalls ein sehr schönes Projekt aus der Anfangszeit der Plattform.

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Foto: Sebastian Philipp

Hat sich seit dem Sommer, als immer mehr Menschen auf der Flucht nach oder durch Österreich gekommen sind, etwas an eurer Arbeit geändert? Ist der Zulauf gewachsen?
Die Flüchtlingskrise hat eine neue Dynamik auf unsere Crowdfunding-Plattform gebracht. Man kann etwas selbst initiieren und dann dafür Geld sammeln. Das gibt eine komplett neue Chance für privates Engagement. Der Staat schafft die Flüchtlingskrise ohne Zivilgesellschaft nicht, das hat sich gezeigt. Also ja, wir haben einen starken Zuwachs sowohl bei den Registrierungen, als auch bei den eingereichten Projekten und bei den Projektspenden.

Einige Projekte befinden sich momentan in Umsetzung, wie etwa „Flüchtlinge Willkommen“ oder „Asylwohnung.at“. Wie ist da der momentane Stand der Dinge?
Flüchtlinge Willkommen macht tolle Arbeit. Laufend werden Schulklassen für Flüchtlingsjugendliche finanziert und Wohnungs- oder WG-Plätze an Flüchtlinge vermittelt. In diesen Tagen launchen wir unsere neue Plattform www.asylwohnung.at. Dort findet man alle erforderlichen Informationen bezüglich der privaten Vermietung an Flüchtlinge. Es braucht tausende private Wohnungsplätze und dazu wollen wir einen Beitrag leisten.

Wer kann Projekte einreichen? Was ist dafür notwendig? Und worauf überprüft ihr die Kampagnen?
Jede Privatperson, jeder Verein aber auch Unternehmungen können Projekte einreichen. Man muss sich und gegebenenfalls dann seinen Verein oder seine Firma registrieren. Die Einreichung eines Projekts geht ganz einfach online über ein Formular. Es gibt dazu auch jede Menge Tipps, die online auf einer entsprechenden Hilfe-Seite angeboten werden. Die Projekte müssen unsere Nutzungsbedingungen einhalten und die Qualitätsanforderungen (etwa ein klares Projektziel, verständliche Beschreibung, nachvollziehbares Budget, Nachweis der Durchführung etc.) erfüllen. Zehn Prozent der Projekte werden stichprobenartig überprüft und jedes Projekt muss seinen Abschlussbericht und seine Abrechnung transparent im Internet zur Verfügung stellen.

Foto: Karl Grabherr

Welche Ziele habt ihr für die Zukunft? 
Wir wollen respekt.net weiter professionalisieren. Dafür arbeiten wir an Kooperationen mit etablierten Spendenorganisationen und mit Unternehmungen. Aktuell setzen wir den Call4Europe um. In Kürze startet dafür das Crowdfunding unter www.call4europe.eu. Im Jahr 2016 werden wir wieder die österreichweite Kampagne „Orte des Respekts“ durchführen und in allen Bundesländern engagierte Projekte auszeichnen.

Vielen Dank für das Interview!

Auf der Webseite www.respekt.net gibt es mehr Infos zur Plattform. Dort findest du alle Projekte, kannst spenden oder selbst eine Idee einreichen.

Text: Oliver Janko, Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Respekt.net



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