Danube Direwolves

Wir wollen Quidditch zu einem echten Sport machen


Mitten auf der Jesuitenwiese im Prater haben sich einige Menschen versammelt. Sie haben blaue Stöcke zwischen die Beine geklemmt und laufen hin und her, um sich aufzuwärmen. Viktória Kovács ist eine von ihnen. Sie ist Captain eines Muggle Quidditch-Teams, den Danube Direwolves. Heute ist ein Community-Training und das fällt nicht so groß aus – wobei es erst zwei Teams in Wien gibt. Muggle Quidditch kommt aus Großbritannien und feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen.

Der Sport kommt aus dem Harry Potter-Universum und kurz gesagt kämpfen dabei zwei Teams auf fliegenden Besen gegeneinander und versuchen, möglichst viele Punkte zu erzielen. Dafür müssen die Chaser oder Keeper einen Ball in einen der Ringe des gegnerischen Teams werfen. Außerdem gibt es Punkte, wenn der goldene „Schnatz“ – also der kleine Quidditch-Ball – gefangen wird.

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Natürlich musste die Realvariante des Fantasy-Sports etwas abgewandelt werden: Bei Muggle Quidditch steckt sich jemand eine Socke mit einem kleinen Ball hinten in die Hose und versucht vor den Seekern wegzulaufen. Die Teams sind offen für alle – man muss nicht einmal besonders sportlich sein.

Wir waren beim Training der Danube Direwolves und haben mit ihnen gesprochen.

Wie-Wir-Wollen.at: Wie läuft es bei den Danube Direwolves?

Viktória Kovács: Wir haben jetzt unsere erste offizielle Season. Das Team gibt es schon seit Mai, aber bis jetzt haben wir nur trainiert, Equipment gesammelt und nach Mitgliedern gesucht. Unsere offiziellen Farben werden grau und weinrot sein. Ein neues Logo haben wir auch.

Du warst früher bei den Vienna Vanguards. Warum hast du dich entschlossen, ein neues Team zu gründen?

Die Vanguards trainieren zwei Mal die Woche, was für ein paar Leute neben dem Studium und der Arbeit einfach nicht geht. Mir ist es am wichtigsten, als Team Spaß zu haben. Gewinnen ist zweitrangig.

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Warum sprecht ihr im Team Englisch?

Als ich nach Wien gekommen bin, wollte ich Teil einer Community sein. Ich konnte damals aber noch nicht besonders gut Deutsch. So bin ich darauf gekommen, dass es eigentlich gar kein Angebot für Menschen gibt, die noch kein Deutsch sprechen. Mit den Direwolves wollte ich auch Erasmus-Studierenden die Möglichkeit geben, Kontakte zu knüpfen. Wir wollen auch eine bessere LGBTQ-Repräsentation.

Warum ist euch das wichtig?

Quidditch hat dahingehend großes Potenzial, weil es keine nach Geschlechtern getrennten Teams gibt. Alle spielen zusammen. Das bedeutet auch, dass sich Menschen, die nicht ins binäre Geschlechtersystem passen, gar nicht zuordnen müssen. Und wenn du sagst, du bist ein Helikopter, dann bist du eben ein Helikopter. Ich werde das nicht hinterfragen.

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Was ist aus sportlicher Sicht das Besondere an Quidditch?

Wir feiern gerade erst das 10-jährige Bestehen von Quidditch. Die Regeln werden noch immer laufend geändert, alles ist in Bewegung. Außerdem verbindet es Sportarten wie Fußball, Rugby und Dodgeball miteinander. Die Community ist extrem gut. Ich liebe auch die Turniere, weil alle wie eine große Familie sind.

Was ist dein Ziel mit den Danube Direwolves?

Wir wollen im nächsten April zum European Quidditch Cup fahren. Es gibt da aber ein Problem. Normalerweise dürfen etwa die Hälfte der Teams eines Landes teilnehmen. In Österreich gibt es aber nur zwei. Das entscheidet im Endeffekt ein Komitee. Wir hoffen, dass wir zwei Slots bekommen und beide Teams fahren dürfen. Sonst müssen wir eine Österreichische Meisterschaft austragen. (Anmerkung: Mittlerweile hat man sich intern darauf geeinigt, dass die Vienna Vanguards am European Quidditch Cup teilnehmen werden.)

Danke für das Interview!

Text und Interview: Lisa Wölfl, Fotos: Kurt Prinz



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