Felix Finkbeiner

Ich will der Klimakrise entgegenwirken


Felix Finkbeiner ist Gründer der 2007 ins Leben gerufenen Schülerinitiative Plant-for-the-Planet. Geboren wurde er 1997 in München und war zum Zeitpunkt der Gründung erst neun Jahre alt. Was habt ihr mit neun Jahren gemacht? Ich traue mich zu wetten, dass sich die Mehrheit noch keine großartigen Gedanken über die Umwelt gemacht hat. Umso beeindruckender ist es, sich schon in so jungen Jahren Gedanken für die Zukunft der Erde zu interessieren.

Aus der Idee eines Schülers wurde eine weltweite Bewegung, deren Ziel es ist, Bäume zu pflanzen, um den CO2-Ausstoß zu senken und den bewussten Umgang mit unserer Umwelt zu stärken. Inzwischen ist Felix kurz vor der Matura und hat es gemeinsam mit etwa 100.000 anderen Kindern geschafft, weltweit schon mehr als 13 Milliarden Bäume zu pflanzen. Auch Prominente wie Harrison Ford oder Prinz Albert von Monaco haben das Projekt mit der Kampagne „Stop Talking, Start Planting“ unterstützt. Für uns hat sich Felix die Zeit genommen, uns mehr über seine spannende Idee zu erzählen.

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Wie-Wir-Wollen.at: Hallo Felix! Danke für deine Zeit, wo wir auch schon bei der ersten Frage wären: Wie schaffst du es, alles unter einen Hut zu bringen?
Felix Finkbeiner: Das Klavierspielen habe ich aufgegeben und meine Noten wären sicherlich auch etwas besser, würde ich weniger Zeit darin investieren, aber das Projekt macht mir unglaublich viel Spaß. Ich kann mich mit ganz vielen Gleichaltrigen auf der ganzen Welt zusammen aktiv für unser Überleben einsetzen und wir können zusammen etwas Positives bewirken.

Für die Menschen, die dein Projekt noch nicht kennen: Worum geht es bei Plant-for-the-Planet?
Bei Plant-for-the-Planet nehmen wir Kinder und Jugendlichen unsere Zukunft selbst in die Hand und bekräftigen uns gegenseitig. Wir verstehen, dass wir alle Teil einer Weltgemeinschaft sind und gemeinsame globale Herausforderungen als Weltfamilie anpacken können. Bäume pflanzen ist kinderleicht. Das kann wirklich jeder tun. Wir kämpfen für Klimagerechtigkeit, klären andere auf und helfen durch unsere Baumpflanzungen, einen Teil des menschgemachten CO2 zu binden. Jeder Baum bindet nämlich im Durchschnitt 10 kg CO2 im Jahr.

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Wie viele Menschen sind an dem Projekt beiteiligt?
Ungefähr 100.000 Menschen haben schon Bäume gepflanzt und in unserem Baumzähler registriert. Mehr als 30.000 Kinder haben wir in unseren Akademien zu Botschaftern für Klimagerechtigkeit ausgebildet. Dazu kommen viele freiwillige Helfer, Lehrer und Eltern, die die Botschafter bei ihren Aktivitäten unterstützen.

Was ist das Ziel deines Projektes?
2011 haben wir unseren Drei-Punkte-Plan zur Rettung unserer Zukunft vor der UNO in New York vorgestellt:

  1. „Lasst uns 1.000 Milliarden Bäume pflanzen“ – das ist ganz leicht, wenn jeder Mensch 150 Bäume pflanzt
  2. „Lasst die fossilen Energieträger im Boden“ – die Technologie für eine CO2-freie Zukunft gibt es längst
  3. „Bekämpft Armut durch Klimagerechtigkeit“ – jeder Mensch darf nur 1,5 Tonnen zum jährlichen CO2–Ausstoß beitragen. Wer einen größeren Anteil beitragen möchte, muss zahlen!

Der Plan ist heute noch gültig.

Andere denken im Alter von neun Jahren nicht im Geringsten an die Klimaerwärmung. Wie kam es zu deinem Interesse an diesem so wichtigen Thema?
Zuhause haben wir schon immer viel über globale Themen und Gerechtigkeit gesprochen. Als wir in der vierten Klasse als Hausaufgabe ein Referat über die Klimakrise halten mussten, habe ich bei meinen Recherchen von Wangari Maathai erfahren, die in 30 Jahren zusammen mit vielen Frauen 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. Am Ende meines Referats sagte ich damals: „Lasst uns Kinder in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen!“ Die Idee verbreitete sich schnell, meine Freunde und ich wurden immer öfter zu Vorträgen eingeladen, und so eigneten wir uns immer mehr Wissen an. Ich glaube, dass immer mehr Kinder immer früher über diese Themen nachdenken.

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Worauf bist du besonders stolz?
Stolz werde ich erst sein, wenn die Erwachsenen und heute Mächtigen verstanden haben, dass die „zukünftigen Generationen“, von denen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit immer die Rede ist, alle heute schon leben. Das sind nämlich wir Kinder und Jugendliche. Die Erwachsenen und wir Kinder zusammen sind die erste und gleichzeitig auch die letzte Generation, die diese Probleme noch lösen kann. Nachhaltigkeit ist kein abstraktes ethisches Konzept wie die zehn Gebote, sondern die einzige Chance für uns Kinder, zu überleben. Wenn das die Erwachsenen verstanden haben und danach ihre Entscheidungen treffen, dann werde ich vielleicht stolz auf mich sein.

Was habt ihr bisher erreicht?
Neben messbaren Größen, wie der Zahl der gepflanzten Bäume (13 Milliarden), der Botschafter für Klimagerechtigkeit (32.600) und der Länder im Netzwerk (193) haben wir sicherlich dazu beitragen, dass Kinder anders wahrgenommen werden, nämlich als engagierte Menschen mit einer eigenen Meinung, die sich motiviert für die Rettung ihrer Zukunft und damit ihr Überleben einsetzen.

Glaubst du, dass den Menschen das Ausmaß der Klimakrise zu wenig bewusst ist?
Ich denke, dass die meisten es wissen, es aber verdrängen. Solange sie selbst nicht direkt davon betroffen sind, denke sie, dass es „schon nicht so schlimm“ werden wird. Ihnen ist nicht bewusst, dass in vielen Teilen der Welt die Klimakrise schon zu spüren ist und dass das auch unmittelbare Folgen für ihr Leben haben wird.

Woran könnte das liegen?
Das liegt in der Natur des Menschen. Dinge, die eine Verhaltensänderung erfordern, werden ignoriert, so lange es geht. Nur wird es mit dieser Haltung bald zu spät sein, um die Erwärmung der Durchschnittstemperatur unter zwei Grad Celsius zu halten.Außerdem versucht diese Gruppe von Menschen, die verhindern wollen, dass sich etwas ändert, Zweifel zu streuen. Ignoranz und Bequemlichkeit sind zwei menschliche Charakterschwächen, die uns Kindern gefährlich werden.

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Hast du schon einmal das Gefühl gehabt, dass dir das alles ein wenig zu viel wird?
Nein. Mein Direktor und meine Eltern erlauben mir, dass ich zwanzig Tage im Jahr in der Schule fehle. Dadurch gehe ich, wie die meisten anderen Kinder, ganz normal zur Schule. Meine Hausaufgaben mache ich einfach oft im Zug. Manche meiner Freunde halten mehr Vorträge als ich. Insgesamt halten mehrere tausend Kinder Vorträge. Wir alle machen etwas, das uns Spaß macht, und das wird einem nicht zu viel.

Welche Interessen hast du neben dem Kampf gegen die Klimakrise noch?
Skifahren, Snowboarden und Mountainbiken.

Wie fühlt es sich an, eine Initiative ins Leben gerufen zu haben, die weltweit umgesetzt wird?
Ohne meine Lehrerin und meine Direktorin, die mich mit meinem Viertklässer-Referat in andere Klassen und anschließend an andere Schulen geschickt haben, und ohne meine Eltern, die uns Kinder von Anfang an unterstützt und gleichzeitig viel Freiraum gelassen haben, hätte es Plant-for-the-Planet nie gegeben. Es ist toll, zu sehen, wie durch die Zusammenarbeit vieler Menschen in so kurzer Zeit eine so große Bewegung entstanden ist.

Hast du einen Lieblingsbaum?
Jeder Baum speichert CO2, deswegen liebe ich alle Bäume. Sonst liebe ich Apfelbäume wegen der Früchte.

Text und Interview: Isabella Khom, Fotos: Plant-for-the-Planet



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