Teresa Kögler

Ich will Menschen als Clown zum Lachen bringen


Keine Angst vor diesem Clown: Frau Lilou Bubu bricht lediglich gesellschaftliche Konventionen und war schon als zweijährige Clownin im Parlament unterwegs – und das obwohl „politische Themen nicht das einzige Thema sind“. Hinter dieser Maske steckt eine Menge Narrenfreiheit, die nur ans Gute im Menschen glaubt. Diese Narrenfreiheit weiß aber auch, wo ihre Grenzen sind – „böse Absichten“ haben Clowns nämlich nicht und handeln stattdessen aus bestem Willen heraus. 2012 kam Teresa zum ersten mal mit der Clownerie in Kontakt, seit 2013 beschäftigt sie sich intensiv damit und will hauptberufliche Clownin werden.

Wir haben mit ihr über dieses recht unübliche Berufsfeld und generell Clownerie gesprochen.

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Wie bist du dazu gekommen, Clown zu werden?
Teresa Kögler: Bei mir ist es durch einen Zufall so gekommen. Ich habe Schauspiel studiert und bei unserem Abschlussstück gab es eine kurze Szene zwischen meinem Spielpartner und mir, die durch Improvisation entstanden ist. Die wurde dann unabsichtlich sehr clownesk. Am Anfang war mir das gar nicht so bewusst, aber nach dem Stück haben mir die Leute gesagt, dass es sehr lustig war. Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Dann hat es aber noch eine Zeit lange gedauert, bis ich den ersten Workshop besucht und das Clown-Sein immer mehr für mich entdeckt habe. Mein Ziel ist es jetzt, das zum Beruf zu machen.

Haben dich Clowns schon in der Kindheit fasziniert oder hat sich das wirklich erst mit dem Stück ergeben?
Der Gedanke, dass ich das selbst machen könnte, kam tatsächlich erst nach dem Stück. Als Kind mochte ich Clowns, bin gerne in den Zirkus gegangen, aber eine übermäßige Faszination gab es damals noch nicht. Ich habe als Kind aber schon selbst gerne Zirkus gespielt.

Wie sieht der Arbeitstag eines Clowns aus?
Das ist ganz unterschiedlich. Wenn es eine Aufführung gibt und ich weiß, dass ich dafür etwas vorbereiten muss, dann entsteht zu Beginn die Idee für ein Stück. Die Ideensammlung passiert Schritt für Schritt. Man muss sich dann überlegen, was man machen kann, in welche Richtung es gehen soll, und dann probiert man es aus. Dabei merkt man dann, ob gewisse Sachen funktionieren oder eher nicht. Umso näher ein Auftritt rückt, umso mehr steigt dann auch der Druck. Wenn man ein abendfüllendes Programm ausgearbeitet hat, kann man damit natürlich auch auf Tour gehen.

Was inspiriert deine Stücke?
Vielleicht klingt das etwas kitschig, aber das Leben. Sachen, die jeder Mensch erlebt. In meiner momentanen Nummer geht es auch um Probleme, die vermutlich jeder Mensch kennt, und ich versuche, diese clownesk darzustellen. Das bringt die Leute dann bestenfalls zum Lachen – etwa, weil sie sich eventuell selbst erkennen und durch die clowneske Darstellung auch über sich selbst lachen können. Vieles entsteht aber auch direkt auf der Bühne und wird einfach improvisiert.

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Ich kann mir vorstellen, dass man da sehr vorsichtig sein muss, um nicht einen etwaigen Fauxpas zu begehen.
Ja, schon. Allerdings sind sich Clowns dessen nicht bewusst, dass sie auf einen Fauxpas zusteuern. Wenn ich also eine Szene schreibe oder kreiere, kann ich das berücksichtigen. Clowns denken in dem Moment, in dem sie eine Handlung durchführen, nicht an die Konsequenzen.
Du hast als Clown aber auch eine gewisse Narrenfreiheit; du kannst gesellschaftliche Konventionen brechen. Menschen nehmen es einem auch nicht übel. Es gibt natürlich Themen, die man lassen sollte. Aber man kann natürlich auch ernstere Themen ansprechen. Der Clown würde einen Menschen niemals absichtlich schaden oder verletzen, er ist eher vom Guten überzeugt. Er handelt aus bestem Willen.

Welche Eigenschaften sollte man als Clown mitbringen?
Als Clown muss man das situative Handeln beherrschen. Wenn man beispielsweise auf der Bühne steht und die Möglichkeit hat, mit dem Publikum zu interagieren – wenn ein Handy läutet oder jemand zu spät kommt –, sollte man das sofort dankbar annehmen und damit spielen. Man sollte zu Gegebenheiten, die natürlich passieren, improvisieren. Das ist auch das Spannende an der Clownerie – im Gegensatz zum „klassischen“ Schauspiel, bei dem man schon bis zu einem gewissen Grad eine Verbindung zum Publikum hat, aber die vierte Wand selten durchbrochen wird. Als Clown brauchst du das Publikum förmlich. Außerdem sollte man Menschen emotional berühren können, sie zum Lachen bringen, und man sollte sich non-verbal ausdrücken können. Mimik und Gestik sind sehr wichtig. Es gibt schon Clowns, die auch sprechen, aber an sich drücken sich viele Clowns rein mittels ihres Gesichts und ihres Körpers aus. Wenn Clowns sprechen, dann bedienen sie sich oftmals einer Fantasiesprache, die für sie jedoch absolut verständlich und logisch ist. Man sollte auch offen sein und sich erlauben, zu scheitern. Die Fantasie spielt auch sicher eine wichtige Rolle – um neue Sachen kreieren zu können, sollte man ihr freien Lauf lassen. Man sollte versuchen, die Welt neu zu interpretieren. Den Clown kann man mit einem Kind vergleichen, das quasi das Konzept von Erziehung noch nicht kennt.

Hast du dir deine Skills selbst beigebracht oder dich viel mit Clown-Filmen und Ähnlichem beschäftigt, um daraus zu lernen?
Am Anfang hab ich vor allem durch Workshops gelernt und dadurch habe ich dann immer wieder mit verschiedenen Clown-Lehrern gearbeitet. Nachdem ich gemerkt habe, dass es das ist, was ich machen möchte, habe ich mich intensiver damit auseinandergesetzt. Sehr viel lernt man auf der Bühne, wo man merkt, was das Publikum annimmt, worüber sie lachen. Aber man lernt eh nie aus. In den nächsten Jahren werde ich kontinuierlich dazulernen. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken.

Auf welches Publikum hast du dich spezialisiert?
Schon Erwachsene. Für Kinder habe ich (noch) nie als Clown gespielt.

Wie kommst du zu deinen Auftritten?
Im Sommer gibt es zum Beispiel Festivals, für die ich mich bewerben möchte. Auf die Zukunft bezogen wäre es schön, wenn die Leute mich gezielt buchen würden, weil sie mich schon kennen und ihnen gefällt, sie es unterhaltsam und lustig finden was ich mache. Mein Clown steht noch eher am Anfang und der Wunsch, das aktiv zum Beruf zu machen, ist auch noch sehr frisch.

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Hat dein Clown einen Namen?
Ja, der Clown, den ich derzeit spiele, heißt Frau Lilou Bubu.

Schaffst du immer wieder neue Charaktere oder bleibst du bei dem einen?
Ich glaube, es gibt einen gewissen Basis-Charakter. Ich habe aber schon verschiedene Clowns und es kann auch passieren, dass ich die zusammenfüge. Mein Clown entwickelt sich auch noch kontinuierlich. 2012 bin ich zum ersten mal mit dem Thema Clownerie in Kontakt gekommen und fand das Ganze von Anfang an toll. Damals habe ich mich aber noch nicht so intensiv damit auseinandergesetzt wie heute, das kam erst später. Als die Nationalratspräsidentin Prammer noch gelebt hat, wurden wir im Zuge des Clownin-Festivals ins Parlament geladen. Wir waren in etwa zwanzig Clown-Frauen, die dann im Parlament herumgesaust sind. Das war extrem spannend. Neben all diesen talentierten, großartigen Clown-Frauen habe ich gemerkt, dass mein Clown damals noch ganz jung war. Der war vielleicht zwei Jahre alt. Das entwickelt sich dann mit der Zeit. Jetzt ist er emotional schon älter geworden. Wenn ein Clown-Charakter beim Publikum sehr gut ankommt, bleibt es länger oder vielleicht sogar ein Leben lang bei dem Charakter, aber es ist oft so, dass es nicht nur ein Charakter sein muss.

Was sind besonders schöne Momente in deinem Beruf?
Einerseits die Zeit direkt vor der Vorstellung, wenn ich hinter der Bühne stehe und weiß, dass ich jetzt gleich drankomme, und die Nervosität nachlässt und in Vorfreude übergeht. Dann ist es noch sehr schön, wenn die Menschen lachen, wenn du merkst, dass du es geschafft hast, eine Brücke zum Publikum zu bauen, und du mit ihnen und für sie etwas kreieren kannst. Bei der Clownerie hängt eben viel vom Publikum ab. Dieses ehrliche, herzhafte Lachen ist wirklich schön. Außerdem ist es sehr schön, wenn Leute nach der Vorstellung zu einem kommen und danke sagen dafür, dass man sie zum Lachen gebracht hat. Zu hören, dass jemand wirklich so richtig herzlich gelacht hat, ist wirklich ein schönes Gefühl. Es ist vielleicht nicht mehr so selbstverständlich, dass man viel lacht.

Gibt es schwieriges Publikum?
Bei den letzten Aufführungen kam ich immer als erstes auf die Bühne. Das ist natürlich etwas anderes, als wenn man für ein schon „aufgewärmtes“ Publikum auftritt. Als ich vor Kurzem in einem anderen Stück beziehungsweise Kabarett, Varieté als Letzte aufgetreten bin, habe ich gemerkt, dass das Publikum schon „aufgewärmter“ und offener war. Wenn man merkt, dass etwas beim Publikum ankommt und es lacht, versucht man schon, diese Richtung beizubehalten. Was das Publikum auch oft zum Lachen bringt, ist, wenn man jemanden auf die Bühne holt. Vielleicht ist der Großteil bloß froh, dass er nicht selbst auf die Bühne musste, aber sie finden es großartig, wenn jemand mit einbezogen wird.

Was bringt dich zum Lachen?
Ich kann sehr gut über mich selbst lachen und oft auch über Situationen aus dem Alltag. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, ergeben sich teilweise wirklich lustige Szenarien. Und ja, Freunde.

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Beschäftigst du dich generell viel mit Humor?
Nicht bewusst. Es ist nicht so, dass ich mich hinsetze und Humor analysiere. Wenn ich eine Nummer schreibe, überlege ich mir schon, was jetzt lustig sein könnte – aber der Clown hat niemals die Intention, lustig zu sein. Jegliche Dinge und Probleme, die sie erlebt, sind absolut ernst, wenn ein Clown auf ein Problem stößt, möchte er das auch wirklich lösen Ein Clown würde auch niemals jemanden parodieren, wenn er jemanden bewundert oder so sein möchte wie eine andere Person, dann versucht er das aus voller Überzeugung zu verkörpern oder zu sein und genau das macht es wahrscheinlich so lustig.

Bist du ein Mensch, der viel lacht?
Ich lache sehr gerne, aber ich weiß nicht, ob ich übermäßig viel lache. Ich genieße es aber, zu lachen.

Was sind so typische Clown-Klischees?
Der erste Gedanke bei Clowns ist wahrscheinlich das Bild von zu großen Schuhen, einer Locken-Perücke, einer großen Fliege und der roten Nase. Das ist aber tatsächlich ein Klischee, das oftmals nicht zutrifft. Es gibt oft Clowns, die kaum Make-up tragen und generell sehr schlicht auftreten.

Kannst du dir vorstellen, das für immer zu machen?
Gute Frage. Momentan würde ich das gerne. Ich kann es mir auch vorstellen. Dadurch, dass man immer dazulernt, ist es ja auch ein sehr abwechslungsreicher Job. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Ich kann mir schon vorstellen, als 70-jährige Frau noch auf der Bühne herumzuturnen.

Kennst du Menschen, die Angst vor Clowns haben?
Ja! Wenn ich Leuten erzähle, was ich mache, sagen sie oft als erstes, dass sie Angst vor Clowns haben.

Was glaubst du, woher diese Angst kommt?
Ich glaube bei Kindern ist es diese Angst vor dem Unbekannten – aber das legt sich dann meistens auch. Bei Erwachsenen glaube ich, dass es durch Horrorfilme geprägt wurde, und man ja nicht sehen kann, wer hinter der Maske steckt. Was ich auch gehört habe, ist, dass Menschen Angst vor diesem Dauerlächeln haben. Die Narrenfreiheit des Clowns wirkt auf manche Menschen aber vielleicht auch einschüchternd.

Danke für das Interview!

Übrigens: Wenn ihr Fragen an Teresa habt, könnt ihr sie unter der E-Mail-Adresse FrauLilouBubu@gmx.at erreichen.

Text: Isabella Khom / Fotos: Kurt Prinz



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