Adalbert Wojaczek

Ich will mit meinen Kurzfilmen für mehr Akzeptanz sorgen


Adalbert Wojaczek ist ein junger Filmemacher aus Düsseldorf, der mit seinen Werken nicht nur Preise abstaubt, sondern auch zum Nachdenken anregen will. Ein Überraschungserfolg gelang ihm mit „Malou“, mit dem Adalbert den 99Fire-Films-Award abstauben konnte. Darin geht es um ein Mädchen, das trotz Sticheleien ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen nicht den Mut verliert, mit erhobenem Haupt durch die Welt geht und am Ende allen Widerständen zum Trotz ihren Traum verwirklicht.

Auch sein jüngster Kurzfilm mit dem Titel „Ich will…leben“ behandelt das Thema Ausgrenzung und Stigmatisierung. Entstanden ist der Beitrag im Zuge eines Videowettbewerbs zum Life Ball 2015, für den entsprechende Beiträge gesucht wurden.

Im Interview erzählt Adalbert von seinem Werdegang, seinen Eindrücken vom Life Ball und was er künftig vor hat.

Wie-Wir-Wollen.at: Kannst du mit eigenen Worten beschreiben, worum es in deinem Kurzfilm „Ich will leben“ geht?
Adalbert Wojaczek: In „Ich will…leben“ geht es um einen Familienvater, der sich vor Jahren durch eine Bluttransfusion mit dem HI-Virus infiziert hat. Seitdem lebt er damit, kann aber glücklicherweise auf die Unterstützung seiner Familie und Freunde vertrauen. Letztlich will jeder Mensch – ob HIV positiv oder nicht – auf Liebe von seinem unmittelbaren Umfeld nicht verzichten.

Wie bist du auf das Thema gekommen? Beschäftigt dich das Thema HIV-Stigmatisierung schon länger?
Das Vorurteil, wonach HIV unmittelbar mit Homosexualität in Verbingung steht, ist nach wie vor sehr präsent. Mir ist selbst erst seit kurzem bewusst, dass das vollkommener Quatsch ist und ein  Bewusstsein dafür geschaffen werden muss, dass jeder Mensch – egal welches Geschlecht und welche sexuelle Ausrichtung jemand hat – sich über viele Wege infizieren kann. Den Videoaufruf zum Life Ball habe ich zufällig auf Facebook entdeckt. Ich dachte mir, dass ich einen Beitrag leisten möchte, habe eingereicht und gewonnen.

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Eine HIV-Infektion wird oft mit Homosexualität gleichgesetzt. Oft sind aber Lebensumstände, Drogensucht oder einfach Bluttransfusionen schuld …
…und genau deswegen wollte ich einen Film schaffen, der einen heterosexuellen Mann mit seiner Familie zeigt, damit sich eine breitere Masse damit identifizieren kann. Vielen ist ja gar nicht bewusst, dass es jeden treffen kann.

Seit wann bist du eigentlich Filmemacher?
Ich habe im Oktober 2008 mit dem Regiestudium begonnen und die Ruhrakademie in Schwerte, eine private Hochschule für Medien und Kunst, an dem es auch den Studiengang „Filmregie“ gibt, besucht. Dies war für mich zeitlich und räumlich wie geschaffen, da ich schon lange
den Wunsch hatte Filmregisseur zu werden. Seitdem habe ich kontinuierlich an verschiedensten Projekten teilgenommen oder selbst welche ins Leben gerufen, um Wissen und Erfahrung in dem Bereich zu sammeln. Seit Januar 2013 bin ich freiberuflicher Filmregisseur.

Gibt es Vorbilder in Sachen Filmemachen, zu denen du aufblickst oder mit denen du gerne zusammenarbeiten würdest?
Oh ja! Dazu gehören Edgar Wright (Shaun of the Dead), Christopher Nolan (Memento, Inception, Interstellar), James Cameron (Terminator, Aliens, Avatar), Darren Aronofsky (The Fountain, Requiem for a Dream, Black Swan).
Großartige Filme, teilweise monumental aber auch mit Tiefgang, die den Zuschauer nicht nur unterhalten, sondern auch nachdenklich machen. Ich würde gerne mal als Regieassistent von J.J. Abrams fungieren, dabei Einblicke ins Business bekommen wollen und einfach auf einem so hohen Niveau Erfahrung sammeln.

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Du warst ja selbst auch am Life Ball. Was ist dein Resümee?
Der Life Ball ist eine wichtige Sache, mit einer großartigen Bühnenshow und tollen Künstlern. Ich finde den Charity-Teil, der wirklich etwas verändern möchte, bewundernswert. Allerdings sehe ich die Tatsache kritisch, dass ein großer Teil der Besucher sich selbst feierte und nur wohl hauptsächlich wegen der Party da war. Diesen Aspekt hat auch Gery Keszler in seiner Rede kritisiert. Ich wünsche Herrn Keszler jedenfalls sehr viel Muße und Erfolg dabei, denn ohne Life Ball geht es nicht.

Kannst du uns über deine aktuellen oder künftigen Projekte schon etwas verraten?
Da kommt eine Menge Zeug. Zum einen sind es die üblichen Auftragsarbeiten, die Spaß machen, Geld ins Haus bringen und auf der anderen Seite die Projekte, die einen handwerklich weiterbringen wollen.
Derzeit arbeite ich an einer Musikvideo-Trilogie inspiriert von Woodkid. Dabei geht es um ein Kind, das zum Soldaten heranwächst, nur um ein kleiner Teil einer größeren bösartigen Maschinerie zu werden. Sowie an einem Kurzfilm über eine Familie die durch die Berliner Mauer in den 80ern getrennt ist und damit lebt.

Text und Interview: Raphael Schön, Fotos: Adalbert Wojaczek / Lennart Kulke



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