Philipp Sonnleitner

Ich will mit einem Super-Mikro die Musikwelt revolutionieren


Das Musikmachen hat ihn schon immer interessiert, nicht nur weil er selber ein Electronic-Album rausgebracht hat, sondern weil die Musik einfach seine Berufung war. Philipp Sonnleitner hat aber trotzdem nicht die Karriere eines Rockstars eingeschlagen, sondern ist auf der Entwickler-Seite geblieben. Dort hat er nach vielen Jahren bei AKG alle Sicherheitsnetze hinter sich gekappt und sein eigenes Start-Up gegründet. Das Herz des Projektes: Mikme, das Mikrofon, das man getrost mit GoPro für Audio umschreiben kann. Es ist einfach zu bedienen, es ist mobil und es nimmt immer in Studioqualität auf. Wir haben uns mit Philipp getroffen, um mit ihm über die Welt der Start-Ups, Crowdfunding und seine Liebe zur Musik zu sprechen.

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Wie-Wir-Wollen.at: Kannst du für uns kurz zusammenfassen was dein Produkt ist und was es besonders macht?
Philipp Sonnleitner:
Mikme ist ein Mikrophon, das für hohe Studioqualität steht und einfach mit einem Knopfdruck zu bedienen ist. Du stellst es auf den Tisch, drückst auf den einen Knopf und nimmst auf. Das klingt jetzt ziemlich simpel, aber es steckt viel dahinter. Wenn man jetzt einen Zoom Recorder dabei hat, dann hat der 27 Tasten und man kann alle möglichen Sachen einstellen. Die Sängerin aus unserem Video benutzt ihren total ungern, weil er einfach umständlich ist. Wenn sie schnell was ausnehmen möchte, dann benutzt sie oft den eingebauten iPhone Recorder. Sie will nicht die vielen Einstellungen ausnutzen, sondern einfach nur Musik machen.

Das ist auch die Vision hinter Mikme, dass man einfach in hoher Qualität aufnehmen kann und sich so viel mehr auf die eigene Musik konzentrieren kann. So ähnlich wie eine Point-and-Shoot Kamera, nur eben im Audio-Format. Das soll nicht heißen, dass andere Mikrofone schlecht sind, aber die mobilen Applikationen fehlen einfach. Mikme funktioniert auch mit Stand-Along, was heißt, dass man es mit dem iPhone verwenden kann. Sofort werden die Audiodaten auf das iPhone geladen. Das scheint den Leuten sehr zu gefallen. Mit der App kann man nämlich nicht nur ein Mikrofon, sondern bis zu vier Mikrofone aufnehmen.

Wir haben uns bei der Produktion auch gefragt, wie würde ein mobiles Mikro aussehen, wenn Apple es bauen würde. Danach haben wir uns dann gerichtet, also kein rundes, sondern ein eckiges Mikro entworfen. Es passt auch optisch zum iPhone.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dieses Mikro zu entwickeln?
Die Sängerin von unserem Video, die Marina, hat uns auf die Idee gebracht. Ihr Freund hat ein Tonstudio und kennt sich super gut mit der Technik aus. Sie aber interessiert sich nicht dafür, sondern für den kreativen Part des Musikmachens. Sie nimmt immer nur mit dem iPhone auf, weil für sich andere Aufnahmegeräte zu kompliziert sind. Wenn sie ein richtiges Gerät verwendet, dann muss es einfach zu bedienen sein. Das wichtige dabei ist, dass Musiker manchmal die perfekte Vocalmelodie spontan finden und in solchen Fällen ist eine Aufnahme in Studioqualität Gold wert. Die Hemmschwelle soll möglichst niedrig sein bei diesem Gerät. Die technischen Features sind schon wichtig, aber nicht das Wichtigste an unserem Projekt. Die Kreativität steht im Vordergrund. Kurz und bündig geht es darum, ein Gerät zu bauen mit dem du kreativer sein kannst, als eins wo total viele technische Neuerungen drauf sind.

Du hast Toningenieur studiert. Hattest du von Anfang an eine Vision, wie du deine Karriere angehen willst?
Ich mache ja selber schon lange Musik, also zumindest vor den Kindern. Ich wollte also immer etwas mit Musik machen und unterbewusst haben mich die Produkte sehr interessiert. Nachdem ich dann mit der Uni fertig war, habe ich gefühlte tausend Bewerbungen rausgeschickt, aber niemand wollte einen unerfahrenen, 25-jährigen Abgänger haben. Dann habe ich bei AKG angeheuert und so bin ich zu den Mikrofonen gekommen. Das coole an Mikros ist, dass es übersetzt. Es ist kein Controller. Beim Synthesizer ist das so, dass du nur auf eine Taste drückst und es kommt ein cooler Ton raus. Wenn ich aber nicht singen kann, wird das Mikrofon meine Stimme nicht besser machen. Man muss eben selber etwas können. Das Einfangen der Kreativität ist das Wichtigste, aber es muss eben Kreativität vorhanden sein.

Bei unserer App stehen auch die kreativen, weil visuell ansprechenden Elemente im Vordergrund. Da kann man den Recordings ein Foto hinzufügen, damit man sich besser erinnern kann, in welcher Situation die gesuchte Datei aufgenommen wurde. Wir haben auch Filter, mit denen man die Stimme überlagern kann. Diese sind an den Instagram-Filtern angelehnt und können mit einem Knopfdruck bedient werden. Wie ich schon gesagt habe, der Fokus liegt auf der einfachen Bedienung.

Auf diese Aspekte wurde ich vor allem dann aufmerksam, als ich die Marina mit ihrer iPhone-App beobachtet habe. Sie hat drei Minuten gebraucht um die Aufnahme ihrer Wahl zu finden, weil alle nur mit Zahlen benannt sind. Das Konzept lebt vom Ausprobieren und Beobachten.

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Du hast viel für Innovationen übrig. Ist die Musikbranche offen dafür?
Ja, schon, aber die Kamera-Branche ist noch offener. Da gibt es laufend Veränderungen, Kameras, die kein externes Licht mehr brauchen und so weiter. Die Musikbranche ist da ein bisschen hinten nach. Und in einem multinationalen Konzern kann man nicht so viel daran ändern wie, wenn man sich selber darum kümmert. In den 8 Jahren bei AKG habe ich viel gelernt, aber wenn du was komplett Neues schnell auf den Markt bringen willst, dann musst du dein eigenes Start-Up machen.

Hattest du die Idee schon, als du nach bei AKG gearbeitet hast?
Nein, eigentlich kurz danach. Ich bin wie gesagt wegen der Marina darauf aufmerksam geworden, dass man so ein Gerät brauchen könnte. Bei alten Brands sind die Techniker oft ein bisschen festgefahren, weil sie nicht so den großen Druck haben, große Neuerungen zu produzieren. Bei mir war aber so ein Gefühl da, dass man ein Gerät machen könnte, das drahtlos funktioniert. Darauf war die Reaktion gleich eine negative. Dass sei technisch unmöglich, vor allem wenn man es über Bluetooth macht, so wie ich es mir gedacht hatte.

Jetzt habe ich ein Team, das aus so richtigen Can-Do Leuten besteht, die überall in Europa und sogar in Amerika ansässig sind. Mit ihnen konnte ich meine Idee dann verwirklichen.

Was musstest du alles dafür aufgeben, ein eigenes Start-Up zu gründen?
Ich habe drei kleine Kinder und ein Haus, also war es ein relativ großes finanzielles Risiko meinen echt gut bezahlten Job bei AKG aufzugeben. Ich musste auch sehr viel eigenes Geld in die Sache stecken, aber ich habe von der Stadt Wien glücklicherweise eine Departure-Förderung bekommen. Das sind eben die guten Dinge in Europa, dass man Förderungen für kleine Projekte bekommt. Schwieriger wird es dann, wenn dein Projekt wächst und du mehr Kapital brauchst. Ich stehe trotzdem auf Österreich und sehe, dass hier der Markt immer offener für neue Sachen wird.

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Ist der österreichische Musikmarkt also eher offen für neue Technik und Innovationen?
Das Feedback ist sehr gut. Aber im Herbst haben wir die Kickstarter-Kampagne gestartet und über 85.000 Dollar gesammelt, leider aber nicht die 200.000 Dollar-Grenze geknackt, die wir uns gesetzt haben. Wir haben also nicht unbedingt viel Geld hereinbekommen, trotzdem kann man das als positives Feedback interpretieren. Während der ersten Kampagne haben wir durch Befragungen herausgefunden, dass unser Konzept nicht ganz passt. Wir haben das Gerät für Musiker ausgelegt, also fürs Song-Writing. Wir sind dann draufgekommen, dass sehr viele Youtuber, Podcaster, Journalisten und Videomacher ebenso an diesem Produkt interessiert sind, wie Musiker. Wir haben diese falsch angelegte Kampagne dann recht bald geändert und ein neues Video gedreht, in dem jetzt auch die anderen Zielgruppen erfasst werden.

Aber was man über die Österreicher sagen kann, dass sie noch sehr skeptisch gegenüber Kickstarter-Kampagnen sind. Der Großteil des Marktes ist in Amerika angesiedelt. Das ist deswegen, weil bei uns die Mentalität herrscht: Wenn ich etwas kaufe, dann will ich das gleich haben und nicht Monate darauf warten müssen. Und dann kommt noch dazu, dass Kickstarter zwar der Marktführer, aber eine irrsinnig komplizierte Plattform ist. Dann hat sich Indiegogo bei uns gemeldet, ob wir das über ihre Plattform regeln wollen. Und sie bin ich da gelandet.

Wolltest du eigentlich selber nie Musiker werden?
Ja, wollte ich schon werden. Als Musiker habe ich aber das Rockstar-Leben nie geschafft, deswegen habe ich jetzt ein Start-Up. (lacht) Ich habe früher schon Musik gemacht, elektronische und hatte sogar ein Album auf I-Tunes. Ein Wiener Label hat es für mich vertrieben und der Chef hat einmal zu mir gemeint: „Du wirst es nie schaffen, weil du nicht musst.“ Damals habe ich mit 25 gerade bei AKG angeheuert und wenn du in dem Alter schon schön viel Kohle verdienst, dann hast du nicht so den Druck hinter dir. Ich habe das damals nicht verstanden, aber er hatte mit Sicherheit recht. Jetzt ist es so, dass wir alle Sicherheitsleinen hinter uns gekappt haben und es ist so ein schmales Drahtseil und jeden Tag falle ich fast runter. Was aber voll normal für ein Start-Up ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es nicht schaffen, ist ungefähr 90 Prozent bei Start-Ups. Aber ich muss es ausprobieren und meine innere Kraft gut ausnutzen, wenn ich sie gerade habe.

Gibt es in der Branche eigentlich Ideenklau, also muss man besonders vorsichtig sein, wenn man ein neues Produkt noch nicht beim Patentamt angemeldet hat?
Ich glaube nicht, dass Ideen geklaut werden. Prinzipiell ist die Hilfsbereitschaft in der Start-Up-Szene sehr groß. Du kannst jeden fragen, wenn du was brauchst, so wie etwa die Geschäftsführer kontaktieren um wegen finanziellen Tipps zu fragen. Ideenklau habe ich wirklich nicht beobachtet, aber trotzdem habe ich das Gefühl gehabt, unser Projekt so schnell wie möglich anzumelden und zu machen, bevor es jemand anderem einfällt. Aber es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten etwas zu machen. Wenn du zum Beispiel so eine Copy-Cat Geschichte machst, wie Instagram nur für Österreicher oder so, dann ist das keine eigene Idee. Aber es gibt schon sehr viele, die etwas kopieren und für lokale Channels anpassen. Solche Sachen sind aber eher nicht so spannend.

Hast du eigentlich eine Lieblings-Vision davon, wer Mikeme verwenden könnte? So wie wenn ich mir vorstelle, dass mein Lieblingsmusiker einen Artikel über sich liest, den ich geschrieben habe?
Für den Anfang ist es am schönsten, wenn man Menschen sieht, die dein Produkt benutzen, ohne, dass du sie dafür bezahlt hast. Das klingt vielleicht blöd, aber man muss eben klein anfangen mit den Erfolgen (lacht.) Es wäre so cool, wenn ich dann Videos auf Youtube, Liveberichte, Reporter oder Musiker sehe, die mein Produkt benutzen. Wenn zum Beispiel Pharrell Williams ins Internet postet: „Hey, check out my latest song sketch.“, welches er mit Mikeme aufgenommen hat, dann wäre das wirklich die Krönung der ganzen Sache. Geld ist zwar wichtig, aber so eine Situation wäre viel mehr wert, als alles was wir mit dem Projekt verdienen können.

Text und Interview: Anne-Marie Darok, Fotos: Kurt Prinz



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