Wolfgang Lackner

Ich will günstige und nachhaltige Ferienhäuser für alle


Schon kleine Kinder bauen sich gerne aus allen möglichen Materialien eigene Rückzugsorte und Verstecke. Wer das Glück hatte, am Land aufzuwachsen oder in den Ferien aufs Land zu fahren, wird sie kennen: diese Ausflüge in den Wald, bei denen man sich von der Natur inspirieren ließ und aus Ästen, Blättern und allem, was sonst noch so zu finden war, kleine Lager baute. Als Erwachsener ist dann vor allem eines gleich geblieben: Der Wunsch nach einem Rückzugsort. Dank des Baukünstlers Wolfgang Lackner und seines Teams ist es nun möglich, die Erfahrungen aus der Kindheit mit den heutigen Bedürfnissen der Erwachsenenwelt zu kombinieren.

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Aber alles nach der Reihe. Wolfgang Lackner hat in Wien und München Architektur studiert, ist der Erfinder der bekannten und erfolgreichen „Alkomat-Patrouille“, die 65 Franchise-Partner in 16 Ländern hat, und Baukünstler. Nun hat er sich wieder seinem Ursprung zugewendet und ist Mastermind und Patentinhaber des EinBaumHauses, eines Hauses – man kann es schon am Namen erkennen –, das grundsätzlich aus einem Baum gebaut werden könnte, sofern man einen findet, der groß genug ist. Das Credo dabei: Die Natur wird selbst zum Wohnraum. Dieser Wohnraum besteht aus vor Ort gefundenen, möglichst unbehandelten und nachwachsenden Rohstoffen. Dadurch entsteht auch das einzigartige, individuelle Design des Hauses, das an Märchen, Hobbits und Naturgeister denken lässt.

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Durch die naturbelassenen Materialien werden moderne Innovation und eine Rückkehr zum Ursprung vereint: Stroh, Lehm und Holz sind die drei Hauptzutaten für das kleine Traumhaus und geben Upcycling ein Gesicht. Auf einer Galerie finden sich zwei aus Holz und Naturfasern gefertigte Kokons, die als Schlafmöglichkeit dienen. Geradlinige Wände wird man im EinBaumHaus nicht finden – durch den „Seilwurfgrundriss“, bei dem man ein aufgewickeltes Seil auf den Boden wirft und aus den ineinander laufenden Schlingen die Räume bildet. Der Grundriss, der sich auch im Logo des Projektes widerfindet, wurde schon zum Patent angemeldet.

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Der Standort vom Prototypen des EinBaumHauses wird in Kärnten am Weissensee sein. So hat sich mitten in der Natur ein passender Standort für das Projekt gefunden. Ab März wird mit dem Aufbau des Tragwerks aus naturbelassenem, berindetem Holz begonnen und Anfang Juni soll der Innenausbau fertig sein. Es soll jedoch nicht bei nur einem EinBaumHaus bleiben: Das Wissen, um das Haus zu bauen, wird den Menschen, die sich privat ein eigenes derartiges Heim schaffen wollen, freigegeben. Wolfgang Lackner ist dabei vor allem eines wichtig: Er möchte mit dem Low-Impact-Haus ein Zeichen pro umweltfreundlichem Wohnen setzen. Lackner dazu: „Wir lehnen uns auf gegen den klassischen Bauwahn und all die Normen, die damit verbunden sind. Das EinBaumHaus ist sozusagen die Revolution einer neuen Generation gegen die ausgeprägte Gleichmacherei in der vorherrschenden Architektur.“

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Wer sich einmal eine Zeit lang im EinBaumHaus gönnt, wird merken, was Lackner meint, wenn er sagt: „Außerdem ist es ein gutes Gefühl, sich als Teil der Natur wahrzunehmen und genau zu wissen, dass man selbige durch das Grundbedürfnis Wohnen an sich nicht oder nur kaum belasten muss.“ Die Mindestlebensdauer eines Hauses beläuft sich auf rund hundert Jahre und wenn es so weit ist, dass das Haus aufgegeben wird, kompostiert es sich umweltfreundlich vor Ort zu Humus.

Text: Isabella Khom, Fotos: Wolfgang Lackner/ Einbaumhaus



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