Takako Ishimitsu

Ich will Tierheim-Katzen im Café Neko ein Zuhause bieten


Takako Ishimitsu stammt aus Japan und eröffnete mit dem in Wien ansässigen Café Neko im Jahr 2012 das erste Katzen-Café in Europa. Neko ist das japanische Wort für Katze und in Japan gibt es etwa 150 Lokale dieser Art. Wer Katzen mag, jedoch keine in den eigenen vier Wänden halten kann – etwa aufgrund einer Allergie –, für den ist ein Abstecher dorthin eine gute Möglichkeit, um das Bedürfnis nach verschmusten Zimmertigern dennoch zu stillen.

Hinter dem Café Neko steckt aber mehr als bloß eine Art Streichelzoo: Alle fünf Katzen, die dort leben, stammen aus dem Tierheim, wurden teilweise misshandelt und von Frau Ishimitsu und ihren Helferinnen liebevoll aufgepäppelt. Dass sich die Tiere wohlfühlen, bemerken auch Laien sofort. Für artgerechte Rückzugs- und Bewegungsmöglichkeiten sorgen riesige Kletterbäume, an den Wänden angebrachte Plattformen und kleine Körbe, in denen die Katzen vor sich hin dösen können.

DSC_0192

Wir haben Frau Ishimitsu in ihrem Lokal unweit des Wiener Stephansdoms besucht, mit ihr Kaffee getrunken, ihre tiefenentspannten Katzen gestreichelt und über die alles andere als einfache Gründung des Café Neko gesprochen.

Wie-Wir-Wollen.at: Was unterscheidet das Café Neko von beispielsweise einem Wiener Kaffeehaus?
Takako Ishimitsu:
 Zunächst einmal natürlich die fünf Katzen, die hier leben und von den Gästen gestreichelt werden können. Außerdem servieren wir neben typischen Wiener Getränken auch Japanisches, wie etwa japanischen Reistee oder Macha mit Milch. Macha ist gemahlener Grüntee, der einen sehr intensiven Geschmack hat.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Katzen-Café zu gründen?
Ich komme aus Japan, war aber mit einem Österreicher verheiratet. Er ist vor 15 Jahren plötzlich verstorben; ich war damals nicht berufstätig und hatte zwei kleine Kinder. Da war ich an einem Punkt, an dem ich nicht genau wusste, wie ich weiter über die Runden kommen sollte. Ich bin dem österreichischen Sozialsystem sehr dankbar, dass ich damals nicht im Stich gelassen, sondern unterstützt wurde. Schon damals habe ich den Entschluss gefasst, irgendwann für diese Hilfe etwas zurückzugeben – wusste aber noch nicht genau wie.
Als meine Kinder groß genug waren, konnte ich mich mehr dem Berufsleben widmen. Ich war damals bei der japanischen Botschaft angestellt, bin zur Berufsberatung gegangen und es kam raus, dass Event-Managerin oder Geschäftsführerin zu mir und meiner Ausbildung passen würden. Ich hatte damals auch schon die grobe Idee, ein japanisches Café mit Katzen zu eröffnen.

_DSC8141

Was haben Sie davor beruflich gemacht?
Ich war in der japanischen Botschaft als Sekretärin tätig und davor habe ich in einem japanischen Reisebüro als Sachbearbeiterin gearbeitet.

Wie viel Zeit ist von der Idee bis zur Eröffnung im Jahr 2012 vergangen?
Es vergingen gut vier Jahre. Also von 2008 bis 2012. Allerdings war ich nicht Vollzeit mit der Planung und mit Behördengängen beschäftigt, sondern investierte neben meinem Job etwa einen Arbeitstag pro Woche in das Café.

War es schwierig, ein Gastronomie-Lokal mit Tieren umzusetzen?
Ja, schon – vor allem weil viele Behörden gar nicht wussten, wie sie auf eine solche Idee reagieren sollten. Fast alle, mit denen ich damals geredet habe, waren von der Idee begeistert, dass japanische Kultur nach Wien gebracht werden sollte. In den USA werden solche Konzepte meist als Streichelzoo geführt, wo man Eintritt zahlt und quasi als Bonus Kaffee trinken kann. Ich wollte aber definitiv ein Kaffeehaus eröffnen, so wie es sie damals in Japan schon gab.

DSC_0077

Mussten dazu spezielle Auflagen erfüllt werden?
Ja, ich musste zum Beispiel eine Tierhalterprüfung ablegen. Da diese nur im Winter möglich ist, war ich am Anfang ein Jahr lang die einzige im Café, die sie hatte, und musste deshalb immer da sein.
Die Mitte des Raumes muss beispielsweise auch frei gehalten werden, damit die Katzen den Kellnerinnen nicht im Weg stehen. Deshalb sind alle Tische und Sitzgelegenheiten an den Rändern des Raumes zu finden. Außerdem dürfen die Katzen auf keinen Fall in die Küche, weshalb wir eine Trenn-Tür inklusive selbstgebauter Ultraschall-Alarmanlage installiert haben. Auch das Katzenklo darf sich natürlich nicht im Gästeraum befinden; außerdem werden alle Speisen mit einer Abdeckung serviert. Und natürlich muss auch alles für die Katzen entsprechend eingerichtet sein, um hier keine Auflagen zu verletzen. Also genug Raum und Rückzugsmöglichkeiten. Es gibt außerdem wegen den Katzen keine Gerichte mit Fleisch, und Schlagobers gibt es nur auf expliziten Wunsch der Gäste.

Wieviele Katzen leben im Café Neko?
Aktuell leben fünf Katzen hier, geplant waren eigentlich zehn und genehmigt wurden sechs. Eine der Katzen ist aber ziemlich scheu, mag keine fremden Menschen und fühlte sich im Café nicht wohl. Deshalb ist das jetzt meine private Hauskatze, die bei mir Zuhause wohnt.

Mir ist aufgefallen, dass die Katzen alle sehr zutraulich und verschmust sind.
Ja, das müssen sie sein, sonst fühlen sie sich hier nicht wohl. Sie wurden auch nach diesem Kriterium ausgewählt. Ich schätze, dass nur etwa zehn Prozent aller Katzen charakterlich so gestrickt sind, dass sie sich für ein Café dieser Art eignen. Ansonsten würden sie mit der Situation überfordert sein und sich einfach nicht wohlfühlen. Das merkt man, wenn man im Tierheim an den Gehegen vorbeigeht: Die Katzen, die zu einem hinkommen und gestreichelt werden wollen, sind in der Regel geeignet.

DSC_0225

Vertragen sich alle Katzen, die im Café leben?
Ja, es gibt nur normale Rangordnungs-Streitereien unter den drei Männchen und zwei Weibchen.

Woher stammen die Katzen eigentlich, die hier im Café Neko leben?
Alle Katzen wurden vom Wiener Tierschutzverein aus dem Tierheim an uns vermittelt. Zum Teil handelt es sich um misshandelte Tiere, die wir aufgepäppelt haben. Ein Jahr vor der Eröffnung, also 2011, war ich beim Tierschutzverein, habe mit dem Geschäftsführer gesprochen und gefragt, ob sie mich unterstützen würden. Anfangs gab es Diskussionen, ob man das Projekt unterstützen wolle, letztlich habe ich dann aber mit Madeleine Petrovic, der Präsidentin des Wiener Tierschutzvereines, Kontakt aufgebaut und sie hat mir netterweise eine Zusammenarbeit zugesichert. Sie ist eine tolle Person und hat sogar bei meinem Eröffnungsfest eine Rede gehalten.

Sind alle Katzen schon seit 2012 da?
Alle bis auf Kurumi. Die ist erst später aus dem Tierheim dazu gekommen, nachdem Momo gestorben ist.

DSC_0206

Also läuft die Kooperation mit dem Wiener Tierschutzverein immer noch?
Ja, ich will Katzen aus dem Tierheim hier ein neues Zuhause bieten. Außerdem bin grundsätzlich vom Wiener Tierschutzverein und deren Arbeit total begeistert. Eine Katze dürfte ich noch aufnehmen, weil maximal sechs hier leben können. Ich habe aber noch keine passende gefunden, weil sie charakterlich passen und sich auch mit den fünf anderen gut vertragen muss.

Gibt es viele Katzen, die in Wien auf eine neue Bleibe warten?
Die Zahl ist in den letzten Jahren zurückgegangen, weil es aktuell angesagt ist, daheim eine Katze zu halten. 2012 waren es in Wien zirka 700 Tierheim-Katzen, jetzt gibt es, so viel ich weiß, nur noch 200.

Gibt es Stammgäste, die immer wieder wegen einer bestimmten Katze vorbei kommen?
Ja, einige. Es gibt viele, die eine persönliche Beziehung zu den Katzen aufgebaut haben. Vor allem ältere Menschen, die jahrzehntelang Katzen hatten, deren letzte Samtpfote aber gestorben ist und die sich keine neue zulegen wollen. Es gibt aber auch einige Gäste, die Katzen mögen und selbst gehalten haben, dann aber eine Allergie entwickelten. Eine Frau kommt beispielsweise oft her und schmust bloß 10 oder 15 Minuten mit einer Katze, bis man eben beginnt, rote Punkte auf der Haut der Frau zu sehen.

_DSC8138

Wie geht es weiter? Planen Sie weitere Cafés oder Projekte?
Die Idee zum nächsten Projekt hatte ich schon vor Jahren zeitgleich mit dem Katzen-Café. In Japan sind Quallen beliebte Haustiere, hier sind sie aber total unbekannt. Mein Plan ist eine Bar mit einem Quallen-Aquarium im Keller, unterhalb des Café Neko.
Damit ich das umsetzen kann, muss aber eine Bank mitspielen und mir einen Kredit genehmigen. Darauf arbeite ich gerade hin.

Danke für das Interview!

Text und Interview: Raphael Schön / Fotos: Kurt Prinz



Comments