Günther Golob

Ich will zum Mars fliegen


Günther Golob (39) ist Herausgeber eines Grazer Kunstmagazins und dreifacher Vater. Er könnte in etwas mehr als zehn Jahren aber auch einer jener vier Menschen sein, die zum ersten Mal die Oberfläche des Mars betreten, dort eine Kolonie gründen — und nie wieder zur Erde zurückkehren. Nie wieder, da die private Weltraummission unter Schirmherrschaft der niederländischen Stiftung Mars One lediglich ein One-Way-Ticket umfasst, bei dem aus Kostengründen kein Rückflug geplant ist. Um die veranschlagte Summe von sechs Milliarden US-Dollar stemmen zu können, wird es eine Reality-TV-Show geben, die vom Big Brother-Erfinder Endemol umgesetzt und nichts Geringeres als das „größte Medienereignis der Weltgeschichte“ werden soll.

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Die Chancen, dass Günther Golob seinen Traum vom Mars tatsächlich umsetzen können wird, stehen durchaus gut – schließlich hat er es unter 202.586 Bewerbern und Bewerberinnen aus aller Welt unter die letzten 663 geschafft, von denen Anfang 2015 rund 100 Personen für die Teilnahme an einem Mix aus Reality-Format und Astronauten-Training ausgewählt werden. 56 Jahre nach der Mondlandung könnte dann im Jahr 2025 der nächste große Schritt für die Menschheit bevorstehen: Ab dann soll ein vierköpfiges Astronauten-Team mit dem Aufbau einer Marskolonie beginnen. Alle zwei Jahre sollen neue Viererteams auf dem Mars eintreffen und so nach und nach die erste permanente Weltraumsiedlung der Menschheit entstehen lassen. Technologisch sei laut Bas Lansdorp, Mitgründer und CEO von Mars One, „alles umsetzbar“, da man im Zuge der eigenen Mars-Missionen nur auf bereits verfügbare und erfolgreich getestete Technologien von Drittherstellern wie Lockheed Martin oder SpaceX zurückgreife.

Die Mars One-Roadmap

2015: Mit dem Start der Reality-TV-Show beginnt die intensive Vorbereitung der verbliebenen Bewerber und Bewerberinnen. Der wichtigste Aspekt dieses Training wird die Fähigkeit sein, als Gruppe eine lange Zeit in abgelegenen und lebensfeindlichen Umgebungen zu überdauern.

2018: Die erste, mit privaten Mitteln finanzierte, unbemannte Mars-Mission wird gestartet. Wichtiger Teil davon wird die Positionierung eines Kommunikationssatelliten im Mars-Orbit sein, wodurch eine konstante Datenverbindung zur Erde hergestellt werden soll.

2020: Ein automatisierter, intelligenter Mars-Rover sowie ein Transporter werden zum Mars geschickt. Damit sollen ein passender Ort für die spätere Basis ausfindig gemacht und erste Vorbereitungen getroffen werden.

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Bei Arbeiten außerhalb des Habitats müssen die Mars-Astronauten und -Astronautinnen stets Raumzüge tragen, da die Atmosphäre des roten Planten einen Menschen in wenigen Sekunden tötet. (Foto: Mars One)

2022: Insgesamt sechs Fracht-Missionen werden zum Mars geschickt. Diese werden aus folgenden Modulen bestehen: zwei Unterkünfte, zwei Lebenserhaltungssysteme und zwei Versorgungsmodule.

2023: Die sechs Module landen rund zehn Kilometer von der Basis entfernt und werden vom bereits am Mars befindlichen Rover abgeholt und aufgebaut. Strom soll über riesige Solar-Paneele erzeugt, Wasser aus dem im Marsboden befindlichen Eis gewonnen und teilweise zur Sauerstoff-Gewinnung verwendet werden. Zudem sollen in der Mars-Atmosphäre vorhandener Stickstoff sowie ebenfalls dort befindliches Argon gefiltert und für die Sauerstoff-Erzeugung genutzt werden.

2024: Das erste Viererteam startet zum Mars und soll im Jahr 2025 nach einer rund sieben Monate langen Reise ihr Ziel erreichen. Die Landung erfolgt im gleichen Typ von Landemodul, der sich zuvor bereits acht Mal unter realen Bedingungen bewährt hat.

2026: Noch bevor die zweite Crew das bereits auf dem Mars befindliche Team erreicht, soll die Basis auf eine Größe angewachsen sein, die insgesamt 16 Astronauten und Astronautinnen Platz bieten kann.

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Die Basis selbst soll bereits vor der Ankunft im Jahr 2025 aufgebaut und bezugsfertig sein. Energie wird über riesige Solar-Panele gewonnen.

Kritische Stimmen zu Mars One

Trotz dieser bereits konkret ausformulierten Pläne, sind eine Reihe von Unsicherheitsfaktoren beteiligt: Der deutsche Ex-Astronaut und Physiker Ulrich Walter ist wenig optimistisch und sieht bereits die Anreise zum Mars als Himmelfahrtskommando mit nur 30-prozentiger Überlebenschance, da die Besatzung einer enormen Strahlenbelastung ausgesetzt sein wird.

Auch Studenten des renommierten MIT sind skeptisch und prognostizieren in einer 35-seitigen wissenschaftlichen Abhandlung, dass es nur rund 68 Tage dauern würde, bis es auf dem Mars zu ersten Todesfällen käme.

Das Budget von sechs Milliarden US-Dollar scheint außerdem relativ gering, um die Pläne von Mars One umzusetzen. Zum Vergleich: Die NASA plant eine weitere bemannte Mars-Mission für die 2030er Jahre, hat dafür allerdings ein Budget von 100 Milliarden US-Dollar veranschlagt.

Wir haben Günther Golob in Graz getroffen und mit ihm über seinen Traum von einer Reise zum Mars geplaudert.

Wie-Wir-Wollen.at: Wie bist du auf die Idee gekommen, dich für ein One-Way-Ticket zum Mars zu bewerben?
Günther Golob: Von Mars One habe ich zum ersten Mal in einer Fernseh-Doku gehört. Ich hab mir sofort gedacht: „Wow, das ist eine interessante Geschichte!“ Begeistert habe ich mich dann auf der offiziellen Webseite www.mars-one.com informiert. Über drei Monate hinweg habe ich das Projekt näher verfolgt und mir Interviews mit Bas Lansdorf, dem niederländischen Initiator, und mit Doktor Norbert Kraft, dem Chief Medical Director, durchgelesen. Und natürlich habe ich mir auch andere Videos von Menschen angesehen, die sich aus allen Kontinenten und allen möglichen Ländern beworben hatten. Aus Österreich war irgendwie aber keiner dabei, irgendwie typisch …

Also hast du dich beworben, weil du der erste Österreicher unter den Teilnehmern sein wolltest?
Schon irgendwie. Im Laufe der Zeit haben sich aber noch sechs oder sieben weitere Kandidaten und Kandidatinnen aus Österreich beworben. Aber die Vorstellung, dass ich ein derart innovatives und bahnbrechendes Projekt auch als Österreicher unterstützen könnte, war definitiv ein wichtiger Motivator. Ganz wichtig war und ist für mich zudem, den Leuten mit der ganzen Geschichte den Tunnelblick zu nehmen, also zu beweisen, dass es tatsächlich möglich ist, zum Mars zu fliegen — sowohl technisch wie auch menschlich.

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Ein Teil deiner Motivation speist sich also auch daraus, dass du einfach beweisen willst, dass es funktioniert?
Ja, klar. Ich glaube daran, sagen wir es so.

Wenn du es tatsächlich unter die ersten vier Mars-Astronauten schaffst, wirst du auf einer Stufe mit Neil Armstrong stehen und in die Geschichte eingehen.
Ja, das ist schon reizvoll (lacht). Aber es ist sicherlich nicht der Hauptgrund, weshalb ich bei Mars One dabei sein will. Jetzt bin ich unter den letzten 663 Personen weltweit, die noch dabei sind, und davon der einzige Österreicher. Das motiviert mich natürlich schon. Anfang 2015 steht die nächste Ausscheidungsrunde in Form eines internationalen Interviews mit der Firma Endemol an, die beispielsweise auch Big Brother erfunden hat. Etwa zur gleichen Zeit beginnt die Mars One-Reality-TV-Show, bei der aber nur mehr rund 100 Leute weltweit dabei sein werden.

„100 Leute werden irgendwo auf der Welt ausgesetzt und müssen gemeinsam und alleine verschiedenste Challenges bewältigen.“

Wie kann man sich diese Reality-TV-Show vorstellen?
Diese 100 Leute werden irgendwo auf der Welt ausgesetzt und müssen gemeinsam und alleine verschiedenste Challenges bewältigen. Im Laufe der Zeit werden dann nur noch so zirka 55 Teilnehmer und Teilnehmerinnen übrig bleiben. Was ich momentan mache, ist, mich auf dieses internationale Interview vorzubereiten. Das heißt, ich mache unter anderem einen Intensiv-Sprachkurs, da wir natürlich in Englisch kommunizieren werden. Außerdem bereite ich mich auf die Isolierkammer vor, die auf die 55 Leute wartet, die die ersten Challenges überstehen. Das heißt, man wird zwei oder drei Wochen mit fremden Leuten auf engstem Raum eingesperrt, um die Psyche zu testen – natürlich mit mangelnder Hygiene, und als „Zuckerl“ wird dann wohl auch noch der Sauerstoff-Gehalt der Atemluft reduziert. Und dieser Test ist ausschlaggebend, weil das Herz und der Verstand das Wichtigste bei dem ganzen Projekt sind. Sollte ich in zehn Jahren tatsächlich beim Flug zum Mars mit dabei sein, müssen wir einen Strahlengürtel passieren, den wir zirka zwei bis drei Wochen durchfliegen werden, und in diesem Zeitraum müssen wir uns im Raumschiff in eine separate Strahlenkammer zurückziehen, die genau so groß sein wird, wie die Kammer im Zuge der Challenge. Dieser Part wird, was die Psyche betrifft, das Schwierigste an der ganzen Mission sein.

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Hast du dich noch anderweitig auf das Projekt vorbereitet?
Ja, ich war heuer auch sechs Wochen lang in den USA unterwegs, habe NASA-Einrichtungen besucht, war mit den Mars One-Leuten in Kalifornien bei einem Meeting und habe mich mit anderen Mars One-Bewerbern getroffen.

Der Flug zum Mars dauert rund sieben Monate. Wie kann man sich die Reise vorstellen?
Der Flug wird voraussichtlich 210 Tage, also sieben Monate in Anspruch nehmen. Grundsätzlich kann es zwischen sechs und acht Monaten dauern, je nachdem, wie weit der Mars zu dieser Zeit von der Erde entfernt sein wird und wie viel Sprit wir verbrauchen und Kosten wir in Kauf nehmen wollen. Mars One verfolgt einen Kompromiss aus Kosten und Zeit und peilt deshalb eine Flugzeit mit einer mittelmäßigen Dauer von sieben Monaten an. Die Kapsel, mit der wir fliegen werden, die Dragon V2, wird von SpaceX produziert und wurde erst vor wenigen Wochen präsentiert. Grundsätzlich ist eine Reihe an Firmen beim Projekt mit an Bord, wie etwa Lockheed Martin und SpaceX, aber auch die NASA oder ESA sind daran interessiert, wie die ganze Sache wohl umgesetzt werden wird.

„Da geht’s nicht nur um das Abenteuer für mich selbst, sondern um ein Abenteuer im Namen der gesamten Menschheit.“

Hast du schon davor mit dem Gedanken gespielt, irgendwann in den Weltraum zu fliegen?
Der Traum war schon von Kindheit an da, aber nie so wirklich präsent, da ich ja nie geahnt habe, irgendwann mal tatsächlich die Möglichkeit dazu zu haben. So wie jeder kleine Bub Astronaut werden will, wollte ich das auch. Jedenfalls weiß ich, dass ich so eine einmalige Chance nutzen und zugreifen muss. Da geht’s nicht nur um das Abenteuer für mich selbst, sondern um ein Abenteuer im Namen der gesamten Menschheit. Meine Gedanken rund um das Projekt reduzieren sich nicht nur auf mich selbst, und das ist für mich das bombastisch Große, das mich extrem fasziniert.

Du bist Unternehmer, hast drei Kinder und stehst mitten im Leben. Um ein One-Way-Ticket zum Mars zu kämpfen, scheint aus dieser Perspektive ziemlich hart.
Ja, das ist ganz logisch, aber meine Familie steht voll hinter mir. Meine drei Kinder kann ich zur Ausbildung in die USA mitnehmen und ihnen dort mehr Chancen und Möglichkeiten bieten als irgendein anderer Vater. Außerdem geht es ja frühestens in zehn Jahren los und bis dahin kann ich noch viel Zeit mit ihnen verbringen.
Das Thema One-Way-Ticket sehe ich übrigens aus einer etwas anderen Perspektive, denn ich bin ja nicht ganz weg, sondern kann vom Mars aus immer noch mit der Erde, meiner Familie und meinen Kindern kommunizieren. Außerdem wäre eine Rückkehr zur Erde so aufwendig, kostenintensiv und letztlich auch riskant, dass ich voll und ganz hinter dem Konzept eines One-Way-Tickets stehe.

Die NASA plant für die 2030er Jahre eine bemannte Mars-Mission mit Hin- sowie Rückflug und veranschlagt für das Ganze ein Budget von ungefähr 100 Milliarden US-Dollar. Das Budget von sechs Milliarden US-Dollar bei Mars One wirkt im Vergleich dazu für viele Experten viel zu gering.
Na ja, bei der NASA ist eine sichere Rückkehr zur Erde natürlich eine Voraussetzung, da das Projekt ja von Steuergeld finanziert wird. Eine Rückkehr möglich zu machen, ist dabei der teuerste und aufwendigste Part. Letztlich fliegen die NASA-Astronauten sieben Monate hin, sind drei Wochen dort und fliegen wieder sieben Monate zurück. Außerdem ist Mars One als Kolonie-Projekt geplant, verfolgt im Endeffekt also einen ganz anderen Ansatz.

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Das Umkleide-Dock, der Wohnraum, der Schlafbereich und der Bereich für den Nahrungsanbau sind in einer Art aufblasbarem Tunnel untergebracht (von links nach rechts).

Wie kann man sich euer Leben oder euren Alltag in der Kolonie am Mars vorstellen?
Die Schwerkraft ist um einiges geringer als auf der Erde und die Temperatur schwankt zwischen minus 56 und plus 7 Grad Celsius, also das wird sicherlich eine Herausforderung – wobei wir natürlich durch die Unterkunft und draußen durch den Raumanzug geschützt sein werden. Es wird sicherlich nicht langweilig werden. Auf der einen Seite haben wir wissenschaftliche Aufgaben zu erledigen und werden im ständigen Kontakt mit Wissenschaftlern stehen; auf der anderen Seite ist sicherlich die größte Herausforderung, zu schauen, dass wir uns selbst am Leben erhalten und versorgen können. Wir bauen Algen an und züchten Insekten, die uns als Nahrung dienen sollen. Gleichzeitig müssen wir die Basis auf die Ankunft des nächsten Viererteams vorbereiten, die ja im Zweijahrestakt auf dem Mars landen werden.
2018 startet aber schon eine Robotik-Mission, das heißt, dass schon das erste unbemannte Raumschiff mit einer Fracht von 2,5 Tonnen erste Bauteile zum Mars befördern wird. Im Laufe der Zeit fliegen sieben derartige Transportschiffe zum Mars. Wenn das erste Vierer-Team im Jahr 2025 auf der Marsoberfläche landet, wurde die Basis dort schon automatisiert aufgebaut und es wird vor Ort genug Nahrung, Sauerstoff und Wasser für die Anfangszeit geben. Es gibt am Mars ja bekanntermaßen Wasser in Form von Eis – allerdings muss dieses Eis noch abgebaut und aufbereitet werden. Ich bin kein Wissenschaftler und auch kein Techniker, aber als Abenteurer sage ich mal, dass ich dem Team hinter Mars One in dieser Hinsicht voll und ganz vertraue.

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Sind im Zuge dieser Kolonisierung auch Kinder geplant, die theoretisch auf dem Mars geboren werden?
Unsere primäre Aufgabe wird es sein, autark und unabhängig überleben zu können, sowohl was die Ernährung wie auch die Energieversorgung und alles drum herum betrifft – aber es werden schon bewusst immer 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen raufgeschickt, um die Option von auf dem Mars geborenen Kindern nicht ganz auszuschließen. Aber wie gesagt, das hat sicherlich keine Priorität und ist nicht Sinn der Mission. Außerdem ist nicht geklärt, ob unter den Bedingungen auf dem Mars eine Schwangerschaft überhaupt so ohne Weiteres möglich ist. Also nochmal: Es ist theoretisch möglich, aber sicherlich nicht unser primäres Ziel.

Gibt es langfristige Ziele, die das Mars One-Projekt auf dem Mars verfolgt?
Nachdem es gelungen ist, dass sich die Astronauten und Astronautinnen autonom und völlig unabhängig versorgen können, ist geplant, dass auch draußen im Freien versucht wird, widerstandsfähige Grünpflanzen anzubauen. Dabei besteht die Möglichkeit, dass sich in einigen hundert Jahren womöglich wieder eine erdähnliche Atmosphäre entwickelt. Aber das ist natürlich utopisch und aufgrund des riesigen Zeitrahmens kein Projekt mit Priorität. Der Mars war ja einmal ein erdähnlicher Planet, auf dem es Wasser, Sauerstoff und Leben gab.

„Der Mars war einst ein erdähnlicher Planet, auf dem es Wasser, Sauerstoff und Leben gab.“

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass der Mars unser Sprungbrett ins Universum ist. Eine Besiedelung des Mars ist für mich nur der erste kleine Schritt. Und dass der Mars früher oder später besucht und kolonisiert wird, ist in meinen Augen fix. Egal ob mit Start in den 2020er oder 2030er Jahren, es wird auf alle Fälle weltweit in unzähligen Forschungseinrichtungen an bemannten Mars-Missionen getüftelt. Ich finde außerdem die Message hinter dem Mars One-Projekt gut, dass sich Menschen aus verschiedenen Kulturen und Staaten zusammentun und zusammenarbeiten, um ein gigantisches Vorhaben wie dieses in Teamarbeit umzusetzen, anstatt sich wie hier auf der Erde ständig nur zu bekriegen.

Der deutsche Ex-Astronaut und Physiker Ulrich Walter geht mit dem Mars One-Projekt hart ins Gericht und schätzt die Überlebenschancen auf 30 Prozent oder weniger. Hast du dich mit kritischen Stimmen wie seiner beschäftigt?
Ja, schon. Ich verfolge natürlich auch die kritischen Stimmen zum Projekt und mache mir meine Gedanken. Aber im Vorfeld muss ich wirklich sagen, dass ich den Leuten rund um Mars One vertraue. Da sind einige der weltweit besten Wissenschaftler und Techniker mit dabei, und ich bin mir sicher, dass mit aller Kraft versucht wird, mögliche Risikofaktoren so gering wie möglich zu halten. Aber ein gewisses Risiko gibt es grundsätzlich immer. Es gibt ja auch Leute, die vom Projekt als „Selbstmordkommando“ sprechen. Unter „Selbstmordkommando“ verstehe ich jedenfalls etwas anderes. Für mich ist Mars One eine Herausforderung, ein Abenteuer, das es so noch nie zuvor gab.

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Der Wohnbereich selbst soll verhältnismäßig geräumig ausfallen. Im Falle eines Defektes sind Habitat und Lebenserhaltungssystem außerdem doppelt vorhanden und können jeweils alleine die vierköpfige Crew am Leben erhalten.

Wie wird das Training aussehen, wenn du es unter die letzten Teilnehmer schaffst?
Im Zuge der achtjährigen Ausbildung, die Mitte 2015 starten soll, bleiben 24 Menschen übrig. Einerseits wird medizinisches Wissen vermittelt werden, da man sich ja selbst und gegenseitig operieren können muss, andererseits aber auch technisches Können, da im Notfall jeder in der Lage sein sollte, allfällige Reparaturen durchzuführen. Wichtige Bestandteile der Ausbildung werden aber auch geografische Kenntnisse der Marsoberfläche und natürlich auch die mentale Stärke, um das Projekt durchzustehen, sein. Wahrscheinlich ist aber die psychische Belastbarkeit das Wichtigste und somit auch das Entscheidendste im Auswahlverfahren.

Wie wird die zugehörige Reality-TV-Show in etwa ablaufen?
Die TV-Show wird die Astronauten und Astronautinnen bei der Ausbildung begleiten. Es wird eine Test-Kolonie auf der Erde geben und dort wird trainiert. Außerdem wird es verschiedenste Herausforderungen unter Extrembedingungen geben, beispielsweise am Nordpol oder in der Wüste. Unterm Strich geht’s aber sicherlich auch darum, die Finanzierung sicherzustellen, da das Projekt damit schließlich steht oder fällt. Endemol ist ja schon fleißig dabei, die Fernsehrechte an diverse TV-Stationen zu verkaufen. Die Reality-Show hört 2024 natürlich nicht auf, sondern läuft auch während der Reise und direkt auf dem Mars weiter.

Werdet ihr vom Mars aus mit der Erde kommunizieren können?
Ja. 2018 werden Kommunikationssatelliten in der Mars-Umlaufbahn und rund um den Erd-Mond positioniert. Die Verzögerung beträgt, je nachdem wie weit der Mars von der Erde gerade entfernt ist, zwischen sechs und zwanzig Minuten – also man kann definitiv mit der Erde in Kontakt bleiben.

Danke für das Interview!

Text und Interview: Raphael Schön, Fotos: Max Wegscheidler / Mars One



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