InterNations

Wir wollen Berufstätigen das Leben im Ausland erleichtern


InterNations ist eine Social-Community-Plattform für Menschen, die im Berufsleben stehen. Anders als bei LinkedIn oder Xing, liegt der Fokus hier aber auf sogenannten Expatriates. Das sind Personen, die beschlossen haben, für eine längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten. Die Gründe für diese Entscheidung können so unterschiedlich sein wie die verschiedenen Länder, in die sie ziehen und in denen sie als InterNations-Mitglied Unterstützung bei der Akklimatisierung im neuen Land erhalten. Die Idee dahinter ist, für genau diese Personen eine Plattform für den gegenseitigen Austausch zu schaffen, um auf diese Weise Lösungen für all die Alltagsproblemchen, mit denen man sich in einem fremden Land konfrontiert sieht, zu finden: Man ist neu in der Stadt, versteht vielleicht die Sprache nicht und hat keine Ahnung, wo man die besten Ärzte, Kindergärten oder Schulen findet.

Du trinkst gerne Wein, schaust gerne Rugby oder suchst einfach Kontakt zu weltoffenen Menschen? „Es wird wirklich die komplette Skala abgedeckt“, erklärt auch Günther Strenn, InterNations-Botschafter für Österreich. Menschen mit ähnlichen Anliegen und Interessen haben mit InterNations die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten, sich zu organisieren und gemeinsame Veranstaltungen zu planen. „Von frisch Zugezogenen zu Leuten, die schon eine gewisse Zeit hier sind bzw. gekommen sind, um zu bleiben.“

InterNations

InterNations versteht sich als Netzwerk für Berufstätige im Ausland. Das ergibt zwar ganz automatisch ein gewisses Alter, die Türen stehen aber für alle offen; auch junge Studenten sind willkommen. Die Kombination aus sowohl Offline- als auch Online-Kontaktmöglichkeiten ist wohl der Grund, warum InterNations bislang stetig weiterwächst – vor allem, da das Projekt gänzlich über Mundpropaganda und Hörensagen funktioniert und auf Werbung beinahe gänzlich verzichtet. Mit über 1,5 Millionen Mitgliedern ist InterNations die weltweit größte Netzwerk- und Informationsplattform ihrer Art.

Wie bist du selbst dazu gekommen, InterNations-Ambassador für Österreich zu werden?
Günther Strenn:
Ich war selbst viel im Ausland, habe auch im Ausland studiert, aber eigentlich bin ich vor mittlerweile über sieben Jahren von einem der Gründer aus Deutschland kontaktiert worden, der mich ganz einfach gefragt hat. Österreich war ja nach der Gründung in München das erste Land, in das expandiert wurde, und sie haben jemanden gebraucht, der Netzwerk- und Lobbying-Erfahrung hatte. Ich bin von den 390 Städten und allen Ambassadors der 190 Länder deswegen sogar der Dienstälteste.

Was genau ist deine Aufgabe als InterNations-Botschafter für Österreich?
Als Ambassador bin ich verantwortlich für die Community und speziell für die Community hier in Wien. Wenn ich mich nicht irre, haben wir in Wien schon knapp über20.000 Mitglieder, und ich bin quasi Ansprechpartner für alle. Wenn die Leute Fragen oder Wünsche haben, kontaktieren sie mich, und ich versuche, ihnen weiterzuhelfen. Ich verschicke auch Einladungen für die offiziellen Treffen, Geburtstagsglückwünsche und vieles mehr. Ich stehe im direkten Kontakt mit unseren Mitgliedern und versuche, so präsent wie möglich zu sein. Dazu muss man aber auch sagen, dass wir das alles auf freiwilliger Basis, quasi als Hobby, betreiben und wir auch noch Vollzeit beschäftigt sind. Das bedeutet, dass persönlicher Face-to-face-Kontakt zum größten Teil auf die offiziellen Treffen verlegt werden muss, weil es zeitlich einfach nicht anders möglich ist. Wenn dringender Handlungsbedarf oder generell eine Wichtigkeit besteht, treffe ich mich aber natürlich schon persönlich mit den Mitgliedern. Den Bedarf gibt es aber kaum. Prinzipiell ist es wichtig, den Leuten das Gefühl zu geben, dass jemand für sie da ist.

Wie viele Events gibt es ungefähr im Jahr?
Dreimal im Monat findet ein sogenanntes GetTogether statt. Das sind die großen offiziellen Hauptevents, die ich organisiere und wo ich auch selbst vor Ort bin. Dann gibt es auch ein Newcomer-Event. Das ist speziell für neu registrierte Mitglieder, die noch nie bei einem Event waren. Es gibt daneben aber auch unzählige kleine Nebenveranstaltungen und eigene Activity Groups. Die sind dann eher themenspezifisch und werden von den Mitgliedern selbst organisiert. In diesen Activity Groups schließen sich Leute zusammen, die die gleichen Interessen haben. Da gibt es zum Beispiel „Food Lovers“, die sich einmal im Monat in unterschiedlichen Restaurants zum Essen treffen, oder Leute, die gerne tanzen gehen oder Basketball spielen – was auch immer. Da gibt es wirklich dutzende. Man kann also online ein bestimmtes Event erstellen, es posten und Leute in die Gruppe bzw. zu dem Event selbst einladen. Manchmal sind das kleinere Gruppen von drei bis fünf Leuten und manchmal ist es ein Gruppe von 100 und mehr Leuten, das ist ganz unterschiedlich.

Als normaler Urlauber, der vielleicht nur kurz im Land ist, kann man das Angebot aber nicht wahrnehmen?
Ja und nein. Als InterNations-Mitglied kann ich weltweit bei allen Veranstaltungen teilnehmen. InterNations ist ja mittlerweile in 390 Städten in der ganzen Welt vertreten und wenn ich jetzt zum Beispiel zwei Wochen in Miami bin, kann ich mir natürlich ansehen, ob in diesem Zeitraum zufällig ein Event dort stattfindet. Diese Möglichkeit hat meiner Meinung nach auch maßgeblich dazu beigetragen, dass InterNations so groß geworden ist, wie es jetzt ist. Es ist eben nicht nur eine Online Community, wo sich die Leute im Netz austauschen können, sondern es war auch von Anfang an die Idee da, Offline-Events zu veranstalten, damit sich die Leute persönlich und im echten Leben kennenlernen können. Wien ist da ein gutes Beispiel. Als ich vor sieben Jahren als Botschafter für InterNations in Österreich begonnen habe, waren beim ersten Event vielleicht sieben Leute. Das hat sich kontinuierlich gesteigert und mittlerweile kommen zwischen 250 und 350 Leute pro Event – beim letzten Mal waren rund 80 unterschiedliche Nationen vertreten. Daran kann man auch sehen, wie bunt gemischt diese Veranstaltungen sind.

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Wie sieht es mit Österreichern aus, dürfen die auch teilnehmen?
Selbstverständlich. Ich würde sagen, dass sicherlich zwischen 15 und 20 Prozent der Mitglieder Österreicher sind. Die haben dann meistens einen internationalen Bezug. Vielleicht haben sie im Ausland studiert oder sind mit jemandem aus dem Ausland verheiratet. Oder aber sie haben einfach Spaß daran, sich mit anderen weltoffenen und global agierenden Menschen zu treffen und auszutauschen.

Mit welchen Anliegen kommen die Leute zu dir?
Es ist wirklich komplett durch die Bank alles dabei, aber natürlich wiederholen sich die Sachen. Vor allem was die Wohnungs- und Jobsuche betrifft, kommen die Mitglieder auf mich zu. Welche Schulen, Kindergärten, Ärzte, Restaurants – einfach all die „Alltagsproblemchen“, die jeder, der in ein neues Land oder in eine neue Stadt kommt, gerne gelöst haben möchte. Genau darum geht es ja auch.
Was auch sehr praktisch und wichtig ist, sind die Online-Foren und die sogenannten Town Talks. Das sind thematisch bereits fertigt angelegte Foren, wie zum Beispiel Housing oder Jobs – eben gegliedert nach den Themen, die besonders oft vorkommen. Die werden für den gegenseitigen Austausch genutzt. Wenn du beispielsweise eine Wohnung suchst, weil du gerade nach Österreich gezogen bist, kannst du ganz einfach eine Anzeige mit deinen Fragen im jeweiligen Forum schalten und nach Angeboten, Tipps oder Empfehlungen suchen. Jedes InterNations-Mitglied hat daraufhin die Möglichkeit, zu antworten – ob das jetzt ein Privater ist, der seine Wohnung vermietet, oder ein Immobilienmakler, spielt keine Rolle. Im Endeffekt ist es so, dass InterNations einfach einen Rahmen vorgibt, und was in diesem Rahmen dann passiert, definieren die Mitglieder.

In welchem Rahmen finden die offiziellen Treffen statt?
Großteils finden die in 5-Sterne-Hotels statt, aus zwei einfachen Gründen: Zum einen wegen ihrer zentralen Lage und zum anderen, weil diese Hotels die Kapazitäten aufweisen, die wir brauchen. Bei der Auswahl der Locations sind wir schon aufgrund der Anzahl der Gäste limitiert. Es ist nämlich gar nicht so leicht, einen Ort zu finden, an dem man in netter Bar-Atmosphäre 200 bis 350 Leute an einem Abend hosten kann. Dazu kommt, dass diese Locations natürlich auch Interesse an internationalen Leuten hegen, weil das im Endeffekt auch ihr Klientel ist.
Prinzipiell gibt es auch keinen Dresscode; wir haben aber eine extrem hohe Akademikerquote und auch das Durchschnittsalter liegt so zwischen 30 und 50 Jahren. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ein typisches InterNations-Mitglied hochgebildet ist und mehrere Sprachen spricht. Es sind eben in der Regel diese Professionals oder zum Beispiel auch Diplomaten, die von ihrer Firma von einem Land ins andere Land gesendet werden und aufgrund dieser Tatsachen schon ein gewisses Alter und eine gewisse Ausbildung haben. Die InterNations Events sind aber natürlich keine reinen Business-Treffen, wo man versucht, so viele Visitenkarten wie möglich auszuteilen. Es sind nette, legere Abende. Worüber man mit wem spricht, und ob man dann doch Visitenkarten austeilen will, bleibt jedem selbst überlassen. Man kann diese Treffen nutzen, wofür man möchte. Das macht das Ganze auch sehr angenehm, weil den Leuten kein Stempel aufgedrückt wird.

Gab es auch schon mal Probleme mit den Mitgliedern?
Ich muss sagen, dass mir in den sieben Jahren als Ambassador noch keine problematischen Vorfälle untergekommen sind. Den Leuten ist ja auch bewusst, dass es einen zentralen Webmaster gibt, der für einen einwandfreien Ablauf auf der Online-Plattform zuständig ist. Wenn daher jemand in irgendeiner Art und Weise ausarten würde, kann man diese Person schnell sperren oder blockieren. Jedes Mitglied hat zusätzlich die Möglichkeit, ein anderes Mitglied online zu melden, damit der User von InterNations quasi unter die Lupe genommen wird. Mir ist so etwas noch nicht passiert, allerdings habe ich mit den administrativen Sachen auch nicht wirklich etwas zu tun. Dafür ist auch München zuständig.

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Kommen die Leute dann auch regelmäßig zu den offiziellen Treffen?
Ich würde sagen, ca. 40 bis 50% der Leute kommen regelmäßig. Vom Rest ist der Großteil eigentlich zum ersten Mal dabei. Bei so häufigen Treffen und so vielen Mitglieder ist es natürlich schwierig, den Überblick zu behalten, aber klar, es gibt diejenigen, die sich diese Termine sofort in den Kalender eintragen und immer wieder gerne dabei sind. Das Angenehme ist, dass alle dort selbst auch neue Bekanntschaften machen wollen. Es ist überhaupt nicht vergleichbar mit irgendeinem steifen Event, bei dem jeder mit seinem Glas in der Ecke steht und – übertrieben gesagt – grimmig schaut. Es ist wirklich so, dass es dort kaum Berührungsängste gibt. Die Leute kommen aufeinander zu, stellen sich vor und beginnen zu plaudern. Man ist extrem kommunikativ und wenn man sich die Leute anschaut, könnte man teilweise glauben, dass sie schon Ewigkeiten miteinander befreundet sind, obwohl sie sich vielleicht erst vor 15 Minuten kennengelernt haben. Jeder, der schon auf Expats-Events war, weiß, wie lebhaft und nett das Ganze ist. Das ist auch ein wenig unsere Philosophie, ganz nach dem Motto: „Nobody stands alone“

Gibt es irgendwelche Zugangsvoraussetzungen?
Die ursprüngliche Idee war, dass nur InterNations-Mitglieder andere Leute einladen können. Wir wollten mit diesem Schritt Vertrauen und Qualität garantieren. Um das Projekt aber mehr zu öffnen und größer zu machen, wurde das dann relativ rasch geändert und mittlerweile kann sich jeder, der möchte, selbst anmelden. Wenn man also zufällig auf die Webseite stößt oder einfach nur davon hört, kann man sich auch registrieren. Allerdings muss man bei der Anmeldung eine Begründung angeben, warum man InterNations-Mitglied werden möchte. Diese Angabe wird von der Administration wirklich ernst genommen, überprüft und gegebenenfalls bestätigt. Das soll die Menschen aber keineswegs daran hindern, sich anzumelden, sondern eben in gewisser Art und Weise die Qualität des Projekts aufrechterhalten. Und man merkt schon, dass das System funktioniert.

Ist die Mitgliedschaft bei InterNations gratis?
Es gibt die einfache Mitgliedschaft, die gratis ist, und es gibt die Premium-Mitgliedschaft, die unterschiedlich viel kostet, je nachdem, für wie lange du Mitglied sein möchtest. Eine einjährige Mitgliedschaft kostet in Österreich monatlich knapp 5 Euro, wobei die Preise aber dem jeweiligen Länderniveau angepasst werden. Als Albatross-Mitglied – so nennen wir diejenigen, die einen Premium-Account haben – kommt man zum Beispiel gratis zu den offiziellen Events und man hat die Möglichkeit, die erwähnten Activity Groups zu nutzen. Darüber hinaus gibt es aber noch einige andere Vorteile, die man mit einer normalen Mitgliedschaft nicht hat. Das findet man aber alles auf unserer Website www.internations.org.

Danke für das Gespräch!

Text und Interview: Philipp Kienzl, Fotos: Günther Strenn, Jim Fok (www.luganofoto.com)



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