Lilah Horwitz und Nick Olson

Wir wollen in unserem 500-Dollar-Traumhaus wohnen


Dass sich verliebte Paare den Traum vom gemeinsamen Eigenheim ermöglichen wollen, ist an sich noch nichts Außergewöhnliches. Auch nicht, dass sie dabei für jedes noch so kleine Detail eine ganz exakte Vorstellung haben. Vom traditionellen Kräutergarten bis zum Vintage-Interieur, von der rustikalen Fassade bis zur romantischen Lichteinstrahlung. Gerade auf Letzteres legten auch die beiden Künstler Lilah Horwitz und Nick Olson besonderen Wert, als sie bei einem ihrer ersten Dates bei einem Spaziergang durch das Waldgrundstück von Olsons Familie in West Virginia über die Schönheit des sich stetig verändernden Tageslichts philosophierten. Vor allem das abendliche Licht des Sonnenuntergangs faszinierte die beiden. Die Idee, diese große Faszination mit einem ganzen Haus zu manifestieren, war schnell da. Der Plan, dieses auch tatsächlich mit den eigenen vier Händen aufzubauen, auch. Eine Kurzschlussreaktion, die schließlich zum zentralen Dreh- und Angelpunkt ihrer jungen Beziehung wurde, sagt Horwitz in einem Interview.

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Sie, eine Designerin und Olson, ein Fotograf, kündigten im Juni 2012 schließlich innerhalb kurzer Zeit ihre Jobs, um sich ganz auf ihr Bauprojekt konzentrieren zu können. Sie mieteten einen kleinen Lastwagen und klapperten sämtliche Flohmärkte in den umliegenden Orten ab, durchstöberten einen verlassenen Holzschuppen und sammelten altes Werkzeug. Einzig neu kauften sie Nägel, alles andere fanden sie auf ihrem Roadtrip. So auch die vielen unterschiedlichen Fenster, die die ganze sechs Meter hohe Frontfassade zieren sollten. Eine ganze Wand aus Fenstern, um den Sonnenuntergang vom ersten bis zum letzten Augenblick erleben zu können? Auch für die beiden wirkt das in der Retrospektive jetzt utopisch. Doch sie haben es wirklich geschafft. Innerhalb von sieben Monaten gelang es den beiden, ihr Traumhaus in den Wäldern West Virginias aufzustellen. Ganz ohne Hilfe. Und fast ohne Geld.

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So sollen Horwitz und Olson nicht mehr als 500 Dollar investiert haben. Wenig überraschend gibt es in der ganz aus Holz und Glas gebauten Hütte weder Strom noch fließendes Wasser, 500 Dollar sind trotzdem eine ausgesprochen nachhaltige Summe, was den Bau eines kompletten Hauses aus dem Nichts angeht. Das Projekt der beiden Künstler wurde schnell zum Lifestyle-Blogger-Darling, erlangte durch seine besondere Geschichte viel mediale Aufmerksamkeit. Auch eine kurze Doku für die Reihe „Half Cut Tea“ wurde gedreht.

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Dennoch ist das Haus nach wie vor mehr ein Rückzugsort, denn eine tatsächliche Wohnung für Horwitz und Olson. Nachdem sie es damals fertiggestellt hatten, suchten sie sich wieder Jobs und kehrten in ihren Alltag zurück. Zumindest physisch, denn abgeschlossen haben sie mit ihrem Traum im Wald noch lange nicht. Immer wieder kehren sie zurück. So ist etwa ein Outdoor-Badezimmer geplant, ein Baumhaus und überhaupt eine ganze Siedlung mit experimentellen Bauwerken wie dem ihrem. Doch das ist alles ein langer Prozess, der sich irgendwann in der Zukunft verwirklichen wird. Bis dahin bleiben ihnen die Sonnenuntergänge.

Text: Nicole Schöndorfer, Fotos: Jordan Wayne, Marcus Constantino



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